Alkoholkonsum und Sozialität

Der Alkoholkonsum ist in vielen Kulturen fest verwurzelt und spielt eine große Rolle im Zusammenleben der Menschen. Kein Fest, keine Feier, keine Zusammenkunft ohne einen Toast, ein Glas Sekt oder Wein bei festlichem oder formalem Rahmen, kein Stammtisch ohne ein Bier oder einen Schnaps.

Der entspannenden und beruhigenden Wirkung des Alkoholkonsums stehen aber die potenziell ernsthaften Risiken in Bezug auf das Herz-Kreislauf-System, auch kardiovaskuläres System genannt, gegenüber. Die Wissenschaft selbst ist sich noch uneinig und hält sich zu finalen Aussagen sehr bedeckt.

Mögliche positive Auswirkungen

Oft gehört ist die Aussage, ein moderater Alkoholgenuss habe positive Effekte auf die Herzgesundheit. Zahlreiche Studien wiesen darauf hin, dass geringe Mengen Alkohol das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern können.

Es gilt vielfach die Annahme, dass Rotwein durch seine Antioxidantien die Blutgefäße schützen und die Bildung von Blutgerinseln reduzieren könne.

Es wird weiterhin angenommen, dass Alkohol den HDL-Cholesterinspiegel erhöht, was wiederum Ablagerungen in den Arterien verhindere.

Eine bewusste Zufuhr von Antioxidantien mit Nahrungsergänzungsmitteln und dem sich daraus ergebenden Überschuss wird aber auch mit einem erhöhten Krebsrisiko und einem erhöhten Sterberisiko in Verbindung gebracht. Auch hier gilt, dass das Maß aller Dinge das gesunde Mittelmaß ist.

Mögliche Risiken

Trotz dieser vermeintlichen oder tatsächlichen positiven Aspekte bleibt es wichtig zu beachten, dass Alkoholkonsum grundsätzlich und besonders in erhöhtem Maß schädliche Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben kann.

Übermäßiger Alkoholkonsum kann zu einem Anstieg des Blutdrucks führen, was mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle verbunden wird. Potenziell ist Alkohol eine Ursache für Herzrhythmusstörungen und Beeinträchtigungen der Herzmuskelfunktion allgemein. Eine schwerwiegende Erkrankung kann die sogenannte dilative Kardiomyopathie sein, in der sich das Herz vergrößert und gleichzeitig geschwächt ist.

Das gesunde Mittelmaß

Die Schlüsselrolle in dieser komplexen Beziehung zwischen Alkohol und Herz-Kreislauf-Gesundheit spielt der Begriff der Mäßigung. Ein moderater Genuss von Alkohol kann durchaus einige Schutzmechanismen für das Herz und das Herz-Kreislauf-System bieten. Wichtig ist zu erkennen, was der Begriff moderat für den einzelnen Konsumenten bedeutet. Eindeutig jedoch ist die Tatsache, dass mit zunehmenden Alkoholkonsum die gesundheitlichen Risiken erheblich steigen. Damit werden auch die potenziellen Vorteile zunichtegemacht werden. Es liegt in der individuellen Verantwortung eines jeden einzelnen Konsumenten, wenn er sich bewusst für den Alkoholkonsum entscheidet. Die Aufklärung über gesundheitliche Richtlinien kann dazu beitragen, das Gleichgewicht zwischen möglichen Vorteilen und potenziellen Risiken zu wahren.

Die komplexe Beziehung zwischen Alkoholkonsum und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die Studienlage

Die bisherige Forschung zeichnet ein uneinheitliches Bild der Beziehung zwischen Alkoholkonsum und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die neuere Forschung legt nahe, dass die Stoffwechselprodukte (Metaboliten), die während oder nach der Verstoffwechselung von Alkohol entstehen, sowohl schützende als auch schädliche Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben können.  Eine Studie mit fast 2500 Probanden identifizierte 60 Stoffwechselprodukte, von denen einige (3) zwar in positiver Weise mit auf das Herz-Kreislauf-System wirkten, die Mehrheit der Produkte (7) zeigte jedoch eine schädliche Wirkung.

Risiko

                      Konsumierte Alkoholmenge

Die Ergebnisse älterer Studien zeigen die Kurve der Risikoentwicklung in Bezug auf Alkoholkonsum als ein ‚J‘ auf. Ein mäßiger und äußerst geringer Konsum kann einen entsprechend geringen oder mäßigen positiven Einfluss haben, wie der sich steigernde bis exzessive Konsum eine fatale bis letale Wirkung zeigen kann.

All diese Aussagen beruhen auf Studien, die lediglich den statistischen, also zahlenmäßigen Zusammenhang widerspiegeln. Man nennt sie auch Beobachtungsstudien. Es gibt jedoch keine kontrollierten wissenschaftlichen Studien, die einen kausalen Zusammenhang beweisen. Als kausal wird ein Zusammenhang nach dem Ursache–Wirkungsprinzip genannt.

Fazit

Das Ergebnis der Betrachtung lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Es gibt keine eindeutige Antwort.

Aber:

Für Menschen mit Herzproblemen wäre es klug, bei der Empfehlung von Alkoholkonsum sehr vorsichtig zu sein. Für Menschen ohne Herzprobleme wäre es klug, dass, wenn sie noch keinen Alkohol trinken, erst gar nicht damit anzufangen. Und wenn sie bereits trinken, den Konsum auf ein Minimum zu beschränken.

Quellen:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/SW/Alkohol

Alcohol and CV Risk: Both Beneficial and Harmful Effects? – Medscape – December 14, 2023.

https://herzmedizin.de/fuer-patienten-und-interessierte/vorsorge/lebensstil/alkohol-auswirkungen-aufs-herz.html