Psycho Med News

Mit Beiträgen von Walter Lenz

Runter von der Sozialmatratze

Ein Essay über das Ende der Ausrede

Es ist Morgen in einem Land, das sich für wach hält und tief schläft. Die Wecker klingeln. Viele stehen auf. Andere drehen sich um. Nicht weil sie krank sind. Nicht weil sie erschöpft sind. Nicht weil ihnen das Schicksal einen Fuß gebrochen hätte. Sondern weil sie irgendwann gelernt haben, dass Aufstehen nicht unbedingt nötig ist, wenn jemand anderes die Rechnung bezahlt.

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Der Fremde im eigenen Land

Wenn die eigene Heimat sich verändert – und man selbst plötzlich derjenige ist, der nicht mehr ganz dazugehört

Ein stilles Gefühl, über das man kaum spricht

Vielleicht beginnt es mit einem ganz unspektakulären Moment.

Man geht durch den Ort, in dem man aufgewachsen ist. Die Straßen sind noch da. Das Rathaus steht noch an seinem Platz. Die Kirche, der Marktplatz, der Bahnhof – alles scheint vertraut. Und doch stimmt etwas nicht.

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Und jetzt erst recht!

Warum manche Menschen an Widerständen wachsen – und andere sich ihnen ausgeliefert fühlen

Es gibt diese Momente im Leben, in denen plötzlich etwas im Weg liegt. Manchmal ist es nur ein kleiner Stein. Manchmal ist es ein ganzer Felsbrocken. Eine Bewerbung wird abgelehnt. Eine Beziehung zerbricht. Ein Mensch wird ausgegrenzt oder unterschätzt. Eine Krankheit verändert das Leben. Eine Prüfung geht schief. Jemand sagt: „Das kannst du nicht.“ Oder man kämpft schon lange mit sich selbst, mit Ängsten, Unsicherheit, Enttäuschungen oder dem Gefühl, immer wieder zu scheitern.

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Willkommen im Gehirn-Rohbau

Warum aus vernünftigen Kindern vorübergehend charmante Verrückte werden

Ein Verteidigungsplädoyer für das jugendliche Irresein – mit Hypothalamus, Peer Group und einer Portion Nachsicht

Es ist neun Uhr abends, und irgendwo schlägt eine Tür zu, mit einer Wucht, die eher an ein architektonisches Statement erinnert als an einen simplen Abschied aus dem Wohnzimmer. Wenige Minuten zuvor saß am selben Tisch noch ein Mensch, der mit brennenden Augen erklärte, die Welt müsse gerechter, die Meere sauberer und die Erwachsenen ehrlicher werden.

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Wer sind „wir“ – wenn wir nicht wissen, wer die anderen sind?

Identität entsteht nicht im Spiegel allein, sondern im Blick auf den Anderen. Doch genau dort beginnt auch die Versuchung, Unterschiede in Überlegenheit undFremdheit in Feindschaft zu verwandeln.

Es gibt Sätze, die zunächst irritieren, weil sie etwas aussprechen, was viele Menschen empfinden, aber nur wenige offen formulieren. Einer davon lautet: „Du musst erkennen können, wer die anderen sind, damit du weißt, wer wir sind.“ Manche werden darin sofort den Keim von Nationalismus oder Ausgrenzung erkennen, während andere zustimmend nicken und einwenden, Identität entstehe doch ohnehin erst im Unterschied. Beide Reaktionen tragen einen Teil der Wahrheit in sich, denn der Satz beschreibt zunächst nichts weiter als einen psychologischen Grundmechanismus – er sagt noch nichts darüber aus, ob dieser Mechanismus human oder unmenschlich genutzt wird. Zwischen gesunder Identitätsbildung und ideologischer Feindbildproduktion liegt ein schmaler, aber entscheidender Grat.

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Der volle Terminkalender der inneren Leere

Warum manche Menschen ständig etwas suchen – und andere verzweifelt Zeit suchen, um all das zu leben, was bereits in ihnen ist.

Es gibt diese beiden Szenen, die sich jeden Tag irgendwo gleichzeitig abspielen. In der einen sitzt ein Mensch vor dem Fernseher. Er hat bereits dreimal durch alle Programme gezappt, fünfmal aufs Handy geschaut, zweimal den Kühlschrank geöffnet, und überlegt nun, wen er anrufen könnte – nicht, weil es etwas Wichtiges zu besprechen gäbe, sondern weil die Stille im Wohnzimmer plötzlich sehr laut geworden ist.

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Die letzten fünf Jahre – Über die Kunst, ein Leben zu vollenden

Es gibt eine seltsame Freiheit, die erst dann entsteht, wenn die Zukunft kleiner wird. Ein junger Mensch blickt auf Jahrzehnte. Er plant Berufe, Reisen, Familien, Träume, und für ihn ist Zeit ein offener Horizont, an dessen Ende er nicht wirklich denkt. Ein alter Mensch dagegen erlebt etwas völlig anderes. Irgendwann kommt der Augenblick, in dem die Zukunft nicht mehr grenzenlos erscheint, sondern überschaubar wird. Vielleicht sind es noch zehn Jahre, vielleicht sieben, vielleicht nur fünf. Niemand weiß es genau, doch irgendwann beginnt die eigene Endlichkeit, nicht mehr nur ein philosophischer Gedanke zu sein, sondern eine alltägliche Realität, die sich in kleinen Gesten, in Arztterminen, in der Vorsicht beim Treppensteigen bemerkbar macht.

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Wenn Wörter Geschichte schreiben

Wie Bibelübersetzungen unseren Glauben veränderten – und warum jede Generation die Heilige Schrift neu entdeckt

Stellen wir uns für einen Augenblick vor, wir könnten eine Zeitmaschine besteigen und uns unter die Menschen mischen, die Jesus vor rund zweitausend Jahren zuhörten. Wir stünden auf einem staubigen Hügel in Galiläa, zwischen Fischern, Handwerkern, Tagelöhnern. Jesus spricht, die Menschen nicken, runzeln die Stirn, beginnen zu diskutieren.

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Die Jungfrau, die keine war

Wie ein Wort zwei Frauenbilder erschuf – und warum menschliche Entscheidungen  manchmal zu göttlichen Wahrheiten werden

Manchmal verändert nicht ein Krieg die Welt, nicht eine Revolution, nicht die Erfindung einer neuen Technik, sondern ein einziges Wort – eines, das zwei Bedeutungen zulässt und über das sich Übersetzer und Leser uneinig sind. Solange dieser Streit offenbleibt, bleibt auch die Freiheit des Denkens erhalten, denn verschiedene Deutungen stehen nebeneinander, ohne dass eine das Recht besäße, sich endgültig über die anderen zu erheben.

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