“Etwas steckt mir in den Knochen” oder “Alles lastet auf meinen Schultern” oder “Das liegt mir am Herzen” oder ‘The broken-heart-syndrom’, das Syndrom des gebrochenen Herzens.

Wir alle kennen diese Redensarten und Volksweisheiten, die in den meisten Fällen einen realen Hintergrund, eine reale Ursache haben. Wenn man nur genau sucht.

Quelle: www.freepik.com
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Es handelt sich hier um den Bereich der Psychosomatik, einem Feld, auf dem die Schmerzen und die Verletzungen der Seele sich über den Körper Ausdruck verschaffen.

Körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Bluthochdruck, Übelkeit oder Atemnot können keine organischen oder funktionalen Ursachen zugeordnet werden.
Das Gleichgewicht, die Homöostase, zwischen Körper, Geist und Seele ist so stark gestört, dass das System sich nicht mehr selbst stabilisieren kann.

So kann ein körperliches Symptom z.B. bei der Berührung eines Körperteils auftreten, bei einem Anblick einer Person oder eines Gegenstandes, beim Wahrnehmen eines Duftes oder gar eines nicht-spezifischen Auslösers. Der Körper reagiert über lange Zeiträume auf gleiche Art und Weise auf gleiche oder ähnliche Trigger, ohne dass die wahren Ursachen den Betroffenen bewusst sind.

Traumatische Erfahrungen, seien sie psychisch oder physisch, werden dissoziiert, verlieren dennoch ihre Kraft nicht und zeigen sich lange Zeit später in somatischen Reaktionen.

Im Konzept der körperorientierten Psychotherapie geht man von der wohlbegründeten Annahme aus, dass Körper und Psyche zwar zwei unterschiedliche Systeme bilden, die aber sehr eng miteinander verknüpft und voneinander abhängig sind, also sehr eng miteinander kommunizieren.

Als Beispiel möge hier die Erinnerung an die erste große Liebe dienen, eine Erinnerung, die eine ganze Kette von gedanklichen und emotionalen Assoziationen entstehen und vielleicht sogar explosionsartig Körper und Geist in einen Ausnahmezustand versetzen lässt.

Die Erinnerung, ausgelöst durch ein Foto, ein Lied, einen Ort versetzt Körper und Geist in Schwingungen, beide sind auf gleicher Wellenlänge und können im Falle der Resonanz sogar an einer Stelle im Körper verortet werden: im Herzen.

Umgekehrt geht es genauso.

Statt Harmonie können bei einer Erinnerung an ein traumatisches Erlebnis die Dissonanzen in Resonanz geraten und führen zu einem Flashback, zu einer Re-Traumatisierung. Auch hier lässt sich das Trauma oft körperlich konkret verorten.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay
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Teil des Prozesses ist das episodische Gedächtnis, das einmalige schwere traumatische Erlebnisse, ebenso wie leichtere, aber wiederholte negative Erfahrungen speichert und sie tief ins Gedächtnis eingräbt. Um sich selbst zu schützen, verdrängt der Mensch die Erinnerung, weil er auf Dauer mit dieser Belastung nicht leben kann. Er dissoziiert, er vergräbt und verschließt quasi die Erfahrung tief in seinem Unterbewusstsein. Auch wenn es noch so tief vergraben und fest verschlossen ist, der Einfluss lässt sich nicht eliminieren. Die zerstörerische Kraft des Traumas wirkt auf das Denken und das Verhalten des Menschen, er zeigt Reaktionen, deren Gründe er nicht (mehr) kennt. Er kann sich selbst sein Verhalten nicht erklären, da er keinen Zugang zu den tiefliegenden Ursachen und Gründen finden kann.

Die Wahrnehmung komplexer Situationen und ihrer Strukturen als in einem sozialen Kontext eingebettete Episode lässt sich nicht mit dem Vorgang z.B. des Vokabellernens oder des Erfassens einer Texteinheit vergleichen. Die Informationsdichte ist um ein Vielfaches größer und umfassender, da in der Regel das gesamte sensorische Empfangssystem des Menschen an der Informationsaufnahme beteiligt ist. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten, alle Sinne sind auf den einen Punkt, das eine Ereignis, die eine Erfahrung gerichtet. Das Bewusstsein mag für einige Zeit überlastet sein und sich und den Menschen durch einen Schock oder durch Dissoziation zu schützen versuchen. Dennoch erfolgt die Informationsaufnahme und deren Speicherung im Hippocampus. Dieser Teil des menschlichen Gehirns sorgt für eine interne Wiederholung und die Übertragung an das Langzeitgedächtnis. Dies geschieht in Ruhephasen wie Schlaf oder Entspannung.

Die Frage, ob der Hippocampus die entsprechenden Informationen selbst strukturiert und priorisiert, ist bislang noch nicht beantwortet. Ebenso unklar ist, ob der Hippocampus eingehende Informationen, deren Aufnahme dem Menschen nicht bewusst sind, ebenso quasi ‘eigenverantwortlich’ weiterleitet und sie mit anderen Erfahrungen oder Erinnerungen verknüpft.

Als Beispiel werden hier Zeugenaussagen angeführt, die sich zu Aussagen zum gleichen Ereignis oft wesentlich unterscheiden, und das nicht nur in Details. Auch hier spielen persönliche Erinnerungen, der subjektive Fokus und individuelle Wahrnehmungsverzerrungen, sogenannte Bias, eine große Rolle.

Die besondere Funktion und Bedeutung des Hippocampus werden dann deutlich, wenn hier Läsionen, Schädigungen, auftreten. Dinge können nicht mehr im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden, das sich über die gesamte Großhirnrinde erstreckt. Informationen geraten nur noch ins Kurzzeitgedächtnis. Der Mensch erinnert sich nicht mehr an das, was gerade eben oder vielleicht noch gestern geschah, aber relativ gut, was er vor längerer Zeit, z.B. in seiner Jugend erlebte.

Trifft man auf einen Teil des Traumas, z.B. einen Duft, ein Geräusch oder einen Gegenstand, triggert dies die traumatische Situation in Sekundenschnelle und baut blitzschnell alle anderen sensorischen und atmosphärischen Informationen wieder zu einem Gesamtkomplex, assoziiert und strukturiert wieder auf. Es entsteht ein Schock, ein Flashback.

In der sanften Form kommt es zu einer emotionalen Abwehrreaktion, deren Gründe weder dem Betroffenen noch den Umstehenden klar und zugänglich sind.

Wenn man zum Opfer gemacht, nicht respektiert, abgewertet oder gemobbt wurde. Auch diese Gefühle der Unterwerfung und Minderwertigkeit werden wieder aufgerufen.

Ebenso können angenehme Erfahrungen und Erlebnisse wiederkehren, Situationen, in denen man gelobt, wertgeschätzt oder unterstützt und gefördert wurde.

All diese Episoden werden codiert und abstrahiert zu dem, was der Mensch selbst von sich hält, wie er sich selbst sieht. Sie beantworten die Fragen, wer ich bin, was ich kann, was ich mag, was mir gut tut, was den Menschen und meiner Umwelt gut tut. Es ist das Bild von mir selbst, von der Welt und von den Mitmenschen.

Es sind die Ressourcen, aus denen der Mensch Kraft und Zuversicht schöpfen kann, um die Probleme und Schwierigkeiten in seinem Leben zu meistern oder an ihnen zu scheitern.

Bild von Mohamed Hassan auf Pixabay
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Jede Episode hat ihre eigene Kennzeichnung, eine individuelle Signatur und Codierung der Sinneseindrücke mit entsprechenden Verbindungen zu den Gehirnzentren, wodurch die schockartige Reaktivierung des Gesamtkomplexes aus Physis und Psyche möglich ist.

Auch über den Körper kann ein Trauma wieder ‘freigegeben’ werden. Eine Berührung an einer Körperstelle, die eng mit einem Trauma verknüpft ist, kann sofort eine heftige Abwehrreaktion oder gar eine Schockstarre hervorrufen. Es kann im Körpergedächtnis wie auch im Unterbewusstsein gespeichert sich weiterentwickelt haben und aus dem Verborgenen des Körpergedächtnisses weiter wirken.

Eine Be- und Verarbeitung ist möglich, wenn man als Betroffener bereit ist, sich und dem Therapeuten den Zugriff auf das Trauma zu gestatten. In der körperorientierten Psychotherapie ginge dies z.B. über die Frage, welche Reaktion der Körper zeigt, wenn das zunächst vermutete Trauma angesprochen wird und wo es sich im Körper verorten lässt.

Eine vorsichtige Annäherung im Rahmen einer tiefenpsychologisch orientierten Gesprächstherapie oder einer Hypnotherapie kann sich anschließen und u.U. eine Klärung oder zumindest eine mögliche Erklärung herbeiführen.

Die körperliche Reaktion, hier Schockstarre oder heftige Abwehrreaktion, erfolgt, ohne dass das ursprüngliche Erlebnis der Gewaltanwendung oder Bedrohung aktuell im Bewusstsein des Betroffenen ist.

Das Gefühl, Opfer und hilflos zu sein, entsteht bei jeder unmittelbaren Konfrontation oder zufälliger Begegnung mit Gewalt. Die vorangegangene körperliche Unterwerfung zeigt sich später durch Vermeidungsverhalten wie mangelnder Konfrontationsfähigkeit, geringem Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl und Durchsetzungsvermögen, sowie übergroßem Harmoniebedürfnis, bis hin zur Selbstaufgabe. Bei sexuellen Übergriffen, verbal, emotional oder physisch, können Empfindungslosigkeit, Störungen im Bindungsverhalten, Verweigerung der körperlichen Nähe, sowie Anhedonie die Folgen sein. Der Körper schützt die Seele und den Geist durch Unterdrückung der Libido als mögliche Ursache einer Re-Traumatisierung. Nach außen erscheint es als eine Verweigerungshaltung und Ablehnung des Partners, der Partnerin gegenüber. In Wirklichkeit ist es eine notwendige Schutzfunktion des Menschen und damit ein Teil seiner Selbstfürsorge. Dysfunktional und toxisch für den Betroffenen und die Partnerschaft ist es allemal.

Eine Auflösung kann im Rahmen einer Hypnotherapie erfolgen, wenn der Klient dazu bereit und sich hinreichend stabil fühlt. Es gleicht einer Konfrontationsintervention, in der die verdrängten Informationen aus dem Unterbewusstsein und dem Körpergedächtnis hervorgeholt werden. Erst wenn der Klient die ‘Frage, ob er sich bereit fühlt, noch einmal in das Geschehen einzutauchen und nachzuempfinden, wie schrecklich es war, bejaht, kann man diese Intervention mit aller Vorsicht angehen.

Der wiederholt gebrauchte Begriff des Körpergedächtnisses ist selbstverständlich eine ein gedanklich theoretisches Konstrukt, eine Modellvorstellung, die es dem Therapeuten erlaubt, Ansatzpunkte zu definieren, an denen er versucht, den Leidensdruck zu mildern oder zu eliminieren. Die genauen Mechanismen, die im Körper ablaufen, sind noch zu diskutieren. Die Erfahrungen jedoch belegen die Wirksamkeit der möglichen Interventionen. Als Vergleich wird das Immunsystem herangezogen, wo die Immunzellen ein ‘Gedächtnis’ für bestimmte Erreger entwickeln, die sie als fremd und krankheitserregend erfahren haben. So hat, entsprechend dem Modell des Körpergedächtnisses, auch dieses durchaus eine konkrete biologische Ebene im Körper des Menschen.

Damit wäre aber auch die traditionell klare Trennung von Physis und Psyche nicht nur überholt, sondern vielmehr widerlegt. Physis und Psyche bilden eine enge Symbiose, quasi eine Dyade.

Im Konzept der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) stellt aus Sicht der Psychotherapie die Vernunft, der Verstand, das logische Denken als Kategorie des Geistes die dritte Säule des Systems Mensch dar. Körper, Geist und Seele bilden eine Triade, in der sich die einzelnen Elemente des Systems gegenseitig beeinflussen. Im positiven wie im negativen Sinn.

Somit bildet die körperorientierte Psychotherapie einen gleichwertigen und gleichberechtigten Ansatz im Rahmen einer Psychotherapie.

Wichtig ist hierbei das sogenannte prozedurale Gedächtnis des Menschen.

Hier werden Ereignisse und Prozesse in ihrem sachlichen und zeitlichen Ablauf gespeichert. Als Beispiel dient oft das Fahrradfahren. Einmal erlernt, bleibt es immer abrufbar.

Es ist als Teil des impliziten Gedächtnisses, also dessen, was unbewusst, weil eingeübt, vorhanden ist. Es sind die eingeübte, erlernte und verinnerlichte Verhaltens- und auch Denkweisen, die automatisch abgerufen ohne bewusste willentliche Entscheidung des Menschen werden. Kennzeichen dieser z.T. auch Schemata genannten Phänomene ist, dass sie auf Kommando nicht verbalisiert werden können. Auf die Frage ‘warum’ kann der Befragte zunächst keine klare und eindeutige Antwort geben.

Im Gegensatz zum prozeduralen Gedächtnis als Teil des impliziten Gedächtnisses ist das episodische Gedächtnis Teil des expliziten Gedächtnisses.

Hier werden autobiografische Fakten und wichtige Ereignisse im öffentlichen und privaten Leben abgespeichert, und die Inhalte sind jederzeit willentlich abrufbar.

Übersicht über den menschlichen Verdauungstrakt - Wikipedia
Übersicht über den menschlichen Verdauungstrakt – Wikipedia

Dem Magen-Darm-Trakt werden ein eigenes autarkes Nervensystem und Gedächtnis zugesprochen. Das vegetative Nervensystem, dem menschlichen Willen nicht unmittelbar zugänglich, beeinflusst das physische Empfinden und das psychische Befinden des Menschen, dessen er sich auch über seinen präfrontalen Cortex bewusst wird.. Im präfrontalen Cortex wird das verortet, was das ‘Selbst’ genannt wird. Dieser Teil ist auch Zentrum dessen, was als Vernunft und Gewissen umschrieben wird. Dieser Teil des menschlichen Gehirns ist mit allen Teilnervensystemen und Gehirnzentren verbunden und alle Teile bilden ein System, das sich ständig zwar im labilen Gleichgewicht befindet, sich aber gleichzeitig bemüht, dieses Gleichgewicht zu stabilisieren. Es ist das zuvor erwähnte Prinzip der Homöostase.

Die drei Säulen des Menschen, Körper, Geist und Seele, Physis, Ratio und Psyche, wirken eng verbunden, in gegenseitiger Abhängigkeit und unter gegenseitiger Beeinflussung. Es ist das bio-chemisch-physikalische Kommunikationssystem Mensch.

Jedes dieser drei Teilsysteme bietet Ansatzmöglichkeiten für Psycho- und Physiotherapeuten, sowie Mediziner, wenn der Klient einen Leidensdruck verspürt, wenn sein Gleichgewicht gestört ist.

Bei einem Großteil der alltäglichen Befindlichkeitsstörungen durch den Stress einer postindustriellen Massengesellschaft bietet die körperorientierte Psychotherapie einen guten Ausgangspunkt in Form von Massagen und Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen Erleichterung zu verschaffen.

Die Grundprägungen des Körpergedächtnisses werden in den ersten drei Lebensjahren des Menschen geprägt, weil jegliche Kommunikation mit primären und späteren Bezugspersonen, sowie der Umwelt allgemein im non-verbalen Bereich geschieht, also zunächst ausschließlich über Körperkommunikation, dann allmählich sich steigernd, auch über den verbalen Austausch. Das körperliche Empfinden steht aber auch hier im Vordergrund. Alle positiven und negativen Erfahrungen werden zunächst als Empfindungen und Missempfindungen körperlicher Art gespeichert.

In der therapeutischen Praxis kann es dann geschehen, dass eine Patientin, wie im vorliegenden abstrahierten und anonymisierten Fall, erläutert, dass wann immer sie ein Mann an der unteren Rückenhälfte berührt, sie eine Abwehrhaltung in der Form einnimmt, dass sie sich innerlich und äußerlich versteift und keinen weiteren körperlichen Kontakt mehr zulassen kann und sich mit Nachdruck befreit, sei es eine einfache freundschaftliche Umarmung oder eine zärtliche mit engerem Körperkontakt.

Die Frage aus der Sicht der körperorientierten Psychotherapie wäre, was die Patientin bei einer für sie unangenehmen Berührung im unteren Rückenbereich ‘nacherlebt’.

Welche Erfahrung, welches Erlebnis könnte hier zu verorten sein?

Über innere Achtsamkeitsübungen und spätere Frage, was in ihr geschieht, wenn sie, im Rahmen einer wohl vorbereiteten Konfrontationsintervention, an dieser Stelle berührt wird, kann man sich der möglichen verursachenden Problematik nähern. Die eingeübte Achtsamkeit auf Körper, Organe oder Körperteile lässt ein Erlebensfluss entstehen, der Bilder zutage fördern kann. Sie können quasi als Erinnerungen aus der vorsprachlichen Zeit stammen, es können aber auch lediglich Symbole sein. Symbole allgemeiner Art aber auch Symbole oder Codierungen realer Erlebnisse.

Analyse und Interpretation von Äußerungen und Darstellungen seitens der Patientin sind also mit großer Vorsicht und äußerster Zurückhaltung vorzunehmen, immer in ständiger Rückkopplung mit dem oder der Betroffenen.

Der Körper kann kompensieren, was Gedanken und Sprache nicht ausdrücken dürfen, also Erlebnisse und Erfahrungen, die nicht real sein können, weil sie es nicht dürfen und dennoch stattgefunden haben können oder könnten. Dissoziiertes, Verdrängtes und Ver- und Begrabenes verlieren den unmittelbaren Zugang.

So kann man bei einem vorhandenen körperlichen Symptom über dieses Symptom und der Verortung im Körper des Patienten, über die Entspannung und Induktion einer Imagination zu Bildern gelangen. Der Körper drückt im Symptom aus, was Denken und Psyche nicht zulassen dürfen, um den Patienten zu schützen. Dissoziation ist ein eine psychomentale Reaktion des Selbstschutzes.

Zu achten ist hier auf die Körpersprache allgemein, aber auch auf Atmung, Stimme und sich verändernde Körperhaltungen des Patienten. Diese können sich im Rahmen z.B. des kindlichen, erwachsenen, offenen, verschlossen-abwehrenden, ent- oder angespannten Verhalten äußern.

Der Therapeut kann dann im Rahmen einer Übertragung als Projektionsfläche für den möglichen Urheber des Traumas dienen. Es kann zu einem späteren Zeitpunkt in der Form geklärt werden, dass der Patient gefragt wird, wem gegenüber er das definierte Verhalten gerne gezeigt hätte.

Hier wird deutlich das Feld der Traumatherapie betreten, wo immer größte Vorsicht und Zurückhaltung geboten sind.

Im Dialog mit dem Patienten sollen die Bilder, Gegenstände, Gefühle und situative Gegebenheiten kommuniziert und der Patient daraufhin befragt werden.

So kann der Weg vom körperlichen Empfinden über eine Erinnerung zurück zum möglichen oder wahrscheinlichen eigentlichen Ereignis begangen werden.

Ist sich der Patient der Wirkungszusammenhänge bewusst, kann er Techniken erwerben, die ihm nicht nur die kognitiven, sondern auch die Interventionskompetenz zur Verfügung stellen, um die bisher unbewussten Reaktionen dorthin zu verweisen, wo sie hingehören.

Im dargestellten Beispiel kann eine Beziehung ohne die körperliche Kommunikation, die der emotionalen Qualität der Partnerschaft entspricht, nicht gelingen. Eine für beide Seiten zufriedenstellende und befriedigende körperliche, geistige und emotionale Beziehung kann nicht etabliert und aufrechterhalten werden, da der Störfaktor Körper das Gleichgewicht der Dreierbeziehung nicht zulässt.

Die Neuroplastizität des menschlichen Gehirns ermöglicht über eine Verhaltenstherapie, sowohl der KTV als auch der DBVT, eine Veränderung in dem Umfang, dass der Patient mit dem Erlebnis, dem Trauma leben kann. Ob es allerdings zu einem Löschen oder, um in der Computersprache zu bleiben, einem Überschreiben kommen kann, also quasi zu einem Reset, wird noch diskutiert.

Was ursprünglich als Schutzfunktion diente, Dissoziation, Unterdrückung und erfolgreiche Verdrängung, wirkt jetzt dysfunktional und toxisch. Der Patient lebt in einem Teufelskreis der Vermeidung und der permanenten Re-Traumatisierung.