Sie sitzt etwas vorgebeugt. Nicht auf eine Art, die krank wirkt, eher auf eine Art, die vertraut ist – als hätte der Körper sich eine Haltung angewöhnt, die irgendwann einmal Schutz bedeutete und nun einfach geblieben ist. Renate K. ist 63 Jahre alt, hat braune Augen, redet präzise und stockt manchmal mitten im Satz, als würde sie prüfen, ob das, was sie sagen will, auch gesagt werden darf. Sie klagt über Schmerzen im Nacken und in den Schultern, über einen Rücken, der sie morgens kaum aus dem Bett lässt und über Schwindelgefühle ohne klaren medizinischen Befund.  Sie klagt über eine merkwürdige Unfähigkeit, Dinge zu erledigen, die sie eigentlich will, oder Dinge loszulassen, die sie längst nicht mehr braucht. Wer ihr erstes Gespräch nur als Symptomerhebung liest, sieht eine Frau mit funktionellen Beschwerden und diffuser Somatisierung.

Wie sich ein Leben in den Körper schreibt – und was eine Ökologie des Menschen darin lesen kann
Wie sich ein Leben in den Körper schreibt – und was eine Ökologie des Menschen darin lesen kann

Das gegenwärtige Bild – was sichtbar ist

Renate lebt allein in einer Wohnung, die sie seit zwanzig Jahren bewohnt und die in den letzten Jahren zunehmend unübersichtlicher geworden ist. Stapel aus Zeitungen, Katalogen, Einkaufstüten, Büchern und Kleidungsstücken haben sich ausgebreitet, nicht chaotisch im Sinne von Verwahrlosung, sondern mit einer eigenen inneren Logik, die nur sie versteht, die aber dazu geführt hat, dass es kaum noch freie Flächen gibt und dass Besuche, die es ohnehin selten gibt, mit einem unguten Gefühl verbunden sind. Sie nennt es selbst nicht ‚Messie‘, sondern sagt: ‚Ich habe zu viel und bringe es einfach nicht übers Herz, etwas wegzugeben.‘         Die Schmerzen im Nacken und in den Schultern bestehen seit mindestens zehn Jahren, haben sich aber in den letzten drei Jahren deutlich verschlechtert, ohne dass orthopädische Untersuchungen einen eindeutigen strukturellen Befund ergeben hätten, der das Ausmaß der Beschwerden erklären würde. Die Gleichgewichtsstörungen sind neurologisch weitgehend abgeklärt und ohne pathologischen Befund geblieben. Und die Prokrastination – dieses Aufschieben, Ausweichen, Nichtvollenden – begleitet sie, wie sie sagt, ‚schon mein ganzes Leben‘, hat aber seit dem Renteneintritt vor zwei Jahren paradoxerweise zugenommen, obwohl sie nun mehr Zeit hätte als je zuvor.

Das Bild ist vollständig. Es erklärt noch nichts.

Die Familie – was vor ihr war

Renate wurde 1961 als zweites von drei Kindern in eine Familie, die nach außen hin funktionierte und nach innen ein System war, das auf Schweigen aufgebaut war. Ihr Vater war Jahrgang 1929, hatte den Krieg als Kind erlebt, war als junger Mann in Gefangenschaft gewesen und hatte darüber nie gesprochen, nicht einmal andeutungsweise, und die Familie hatte gelernt, nicht zu fragen, weil die wenigen Male, in denen jemand etwas angesprochen hatte, mit einer Stille geendet hatten, die schwerer wog als Streit. Was der Vater stattdessen mitbrachte, war eine Grundspannung, die das Haus wie ein unsichtbares Wetter durchzog,

Unvorhersehbar, manchmal reizbar, manchmal abwesend, selten wirklich präsent, und eine tiefe Überzeugung, dass Dinge aufbewahrt werden müssen, weil man nie weiß, wann man sie wieder braucht – eine Haltung, die aus einer Zeit stammte, in der das buchstäblich stimmte, und die in der Nachkriegsfamilie als selbstverständlicher Grundsatz weitergegeben wurde. Die Mutter war organisiert, pflichtzuverlässig und emotional schwer erreichbar, nicht aus Kälte, sondern aus einer Art erschöpfter Funktionalität, die keinen Raum ließ für das, was man heute emotionale Verfügbarkeit nennen würde. Die Kinder wurden versorgt. Sie wurden nicht wirklich gesehen.

Das ist ein Unterschied, der groß ist.

Kindheit – was der Körper lernte

Renate war als Kind das, was man ein ruhiges Kind nannte. Sie weinte selten, forderte wenig, arrangierte sich schnell, und was man nicht sah: dass diese Ruhe keine Gelassenheit war, sondern ein früh erlerntes System des Rückzugs, das ihr half, in einem Haus zu überleben, in dem emotionale Zuverlässigkeit nicht garantiert war.

Kinder, die in Umgebungen aufwachsen, in denen die primären Bezugspersonen unvorhersehbar sind, entwickeln etwas, das die Bindungsforschung als unsichere Bindung beschreibt, und das auf der Ebene des Nervensystems bedeutet, dass das System dauerhaft in einer Art Bereitschaft bleibt, auf Bedrohung zu reagieren, auch wenn keine sichtbare Bedrohung vorhanden ist, weil die Erfahrung gelehrt hat, dass Sicherheit jederzeit kippen kann.

Das ist kein psychologisches Konzept, das auf Renate von außen projiziert wird. Es ist eine biologische Realität, die sich im Körper einschreibt, in der Muskelspannung, in den Stresshormonachsen, in der Art, wie das Nervensystem auf Reize reagiert, und die, wenn sie dauerhaft aktiv bleibt, irgendwann als Schmerz, als Erschöpfung oder als Schwindel in Erscheinung tritt. Was Renate in ihrer Kindheit lernte, war:

Halte dich klein. Erwarte nicht viel. Lass dich nicht vollständig nieder. Der Körper hat zugehört.

Es gab auch Lichtmomente. Eine Großmutter, die Renate gelegentlich besuchte und bei der sie sich erinnert, sich wirklich gesehen gefühlt zu haben, was sie heute, wenn sie davon erzählt, mit einer fast tastbaren Sehnsucht beschreibt. Ein Lehrer in der Grundschule, der ihr sagte, sie schreibe gut, und damit etwas berührte, das sie lange trug. Und eine frühe Leidenschaft fürs Lesen, durch die sie eine innere Welt entwickelte, die unabhängig von der äußeren existierte und ihr Halt gab, solange sie zwischen Buchdeckeln war.

Die Bücher blieben. Sie wurden nicht weggeworfen. Das begann früh.

Jugend – was sich festigte

Die Pubertät brachte keine Befreiung, sondern eine Vertiefung der eingeübten Muster. Renate war in der Schule gut genug, um nicht aufzufallen, und selten gut genug, um wirklich hervorzustechen, nicht weil es ihr an Intelligenz gemangelt hätte, sondern weil Vollenden mit Bewertetwerden verbunden war und Bewertetwerden mit dem Risiko des Scheiterns und Scheitern in ihrer inneren Logik eine Bedrohung darstellte, gegen die Nicht-Vollenden ein verlässlicher Schutz war. Das ist die Tiefenstruktur der Prokrastination, die sich nicht durch mangelnde Disziplin erklärt, sondern durch ein erworbenes Schutzsystem, das auf einer ursprünglichen Erfahrung beruht: Wer nichts abschließt, kann nicht beurteilt werden. Wer nicht beurteilt werden kann, ist sicher.

Das klingt paradox, war aber in einer frühen Welt, in der Bewertung mit Bestrafung oder Rückzug des anderen verbunden war, eine sehr vernünftige Strategie. Probleme entstehen nicht durch den Ursprung von Strategien, sondern durch ihre Haltbarkeit über die Zeit, in der sie nicht mehr nötig sind.

Dazu kam in diesen Jahren eine zunehmende Tendenz, Dinge zu sammeln und aufzubewahren, zunächst Bücher und Hefte und kleine Gegenstände mit sentimentalem Wert, dann mehr, und immer mit demselben inneren Erleben: Dinge loszulassen fühlte sich an wie Verlust, manchmal wie Verrat, manchmal wie eine Art Auslöschung von Erfahrung.

Was auf der Oberfläche wie Unordnung oder Sammeltrieb aussah, war auf der Ebene des Erlebens ein Versuch, das, was nicht festgehalten werden konnte in Beziehungen, in Objekten festzuhalten, die zuverlässiger waren als Menschen. Gegenstände gehen nicht weg. Sie reagieren nicht unvorhersehbar. Sie strafen nicht. Das ist keine Entschuldigung, aber es ist ein Verstehen –

und Verstehen ist der erste Schritt zu Veränderung.

Erwachsenenleben – was sich scheinbar normalisierte

Renate studierte Germanistik, heiratete mit 28, bekam zwei Kinder, arbeitete nach einer Pause als Lehrerin und lebte ein Leben, das von außen betrachtet nach dem Muster funktionierter Normalität verlief. Die Ehe war nicht unglücklich, aber auch nicht wirklich nah, weil Nähe immer auch Verletzlichkeit bedeutet und Verletzlichkeit immer auch Risiko, und das Risiko war durch die frühen Erfahrungen zu groß geworden, um es wirklich zuzulassen.

Ihr Mann, ein ruhiger, verlässlicher Mann, der das Muster nicht verstand und auch nicht kannte, erlebte Renate als manchmal schwer erreichbar, und was er nicht wusste: dass sie das selbst auch so erlebte, dieses Gefühl, da zu sein und doch nicht ganz ankommen zu können, als würde eine Glasscheibe zwischen ihr und dem, was sie sich wünschte, bestehen. Die Kinder liebte sie, und sie schützte sie, manchmal zu sehr, mit einer Fürsorge, die auch Kontrolle war, weil unkontrollierte Nähe bedrohlich blieb.

Das Haus wurde voller. Der Rücken begann, sich bemerkbar zu machen.

Die Schultern, schrieb die Orthopädie in einem frühen Befund, seien ‚verspannt, wahrscheinlich berufsbedingt‘. Das stimmte, aber es war auch nicht die ganze Wahrheit. Schultern tragen. Nacken hält aufrecht und hält gleichzeitig zurück. Rücken ist das, was uns von hinten stützt, und wenn der Rücken schmerzt, fragt eine integrative, d.h. ganzheitlich denkende Betrachtung auch: Was fehlt an Unterstützung? Was muss allein getragen werden? Das sind keine metaphorischen Fragen, die man an die Stelle der Anatomie setzt. Es sind Fragen, die neben die Anatomie treten, weil die Forschung zeigt, dass chronische Schmerzzustände ohne ausreichenden strukturellen Befund in hohem Maß mit Stressbelastung, emotionaler Erschöpfung und unverarbeiteten biografischen Erfahrungen zusammenhängen.

Der Körper spricht in der Sprache, die ihm zur Verfügung steht.

Wenn Systeme kollabieren

Die Ehe endete, als Renate 54 war. Es war keine dramatische Trennung, eher eine stille Erschöpfung beider Seiten, ein langes Auseinanderdriften, das beide erlebt hatten und das niemand aufhalten konnte, weil die Fähigkeit zu dem, was es gebraucht hätte, auf beiden Seiten durch je eigene Biografien begrenzt war. Was folgte, war eine Phase, in der Renate äußerlich weiterfunktionierte – Arbeit, Kinder, Alltag – und in der gleichzeitig etwas in ihr nachgab, das sie nicht benennen konnte. Die Wohnung wurde in diesen Jahren deutlich voller. Die Prokrastination nahm zu. Die Schmerzen wurden chronisch. Und die Gleichgewichtsstörungen traten zum ersten Mal auf, zunächst selten und dann häufiger, immer dann, wenn Belastung und Einsamkeit zusammenfielen. Kein neurologischer Befund. Aber ein Körper, der mitteilte, was er nicht mehr halten konnte.

Die Erschöpfung eines Systems, das zu lange ohne ausreichende Rückkopplung gearbeitet hatte.

Die Gleichgewichtsstörungen sind in dieser Lesart besonders aufschlussreich. Gleichgewicht, im physiologischen Sinne, ist ein komplexes Zusammenspiel aus Innenohr, Sehsystem, Tiefensensibilität und zentraler Verarbeitung, ein ständiger Abgleich zwischen dem, was der Körper erwartet, und dem, was er tatsächlich wahrnimmt. Wenn dieses System ohne organische Ursache schwankt, fragt eine integrative Betrachtung, was sich sonst gerade in Bewegung befindet, was den inneren Halt erschüttert, auf welchem Boden jemand steht. Das ist keine Mystik. Es ist eine systemische Frage an ein offenes System, das auf allen Ebenen gleichzeitig reagiert.

Renate stand auf keinem sicheren Boden. Seit langer Zeit nicht.

Die ‚Ökologie‘ lesen

Wenn man Renates Situation durch die Linse einer ‚Ökologie des Menschen‘ betrachtet, wird ein Bild sichtbar, das weit über die Summe seiner Einzelteile hinausgeht.

Auf der biologischen Ebene: ein Nervensystem, das seit der Kindheit in einer chronischen Bereitschaftsspannung ist, und das in Form von Muskeltonus, Schmerzempfindlichkeit und Gleichgewichtsverarbeitung mitteilt, was das System nicht mehr kompensieren kann.

Auf der psychischen Ebene: Schutzstrategien, die einmal sinnvoll waren, nun aber das Leben einengen, Prokrastination als eingefrorener Selbstschutz, Sammeln als Versuch, Verlässlichkeit zu materialisieren, Schwierigkeiten mit Nähe als Nachwirkung unsicherer früher Bindung.

Auf der sozialen Ebene: Einsamkeit ohne dramatisches Ereignis, eine Isolation, die sich über Jahre entwickelt hat, weil die Fähigkeit, sich zu zeigen, begrenzt blieb, und weil die sozialen Systeme, die einmal trugen, Ehe, Beruf, Kinder im Haus, weggefallen sind, ohne dass sich neue gebildet haben.

Auf der existenziellen Ebene: eine Frau, die kaum weiß, was ihr Leben jetzt bedeuten soll, die nach dem Ende des Berufslebens und der aktiven Mutterschaft keine neue Antwort auf die Frage gefunden hat, was sie trägt, was ihr Halt gibt, wofür es sich lohnt, morgens aufzustehen. Das ist kein depressiver Befund. Es ist ein Sinnvakuum, das sich körperlich und psychisch ausdrückt und das ohne Berücksichtigung der existenziellen Ebene nicht vollständig verstanden werden kann.

Alle Ebenen sprechen gleichzeitig.

Was ein integrierter Ansatz bedeuten würde

Eine Behandlung, die dem Modell einer Ökologie des Menschen entsprechen würde, wäre keine Addition von Maßnahmen, sondern ein koordiniertes Vorgehen auf mehreren Ebenen, das die Verbindungen zwischen diesen Ebenen im Blick behält.

Auf der körperlichen Ebene wäre das mehr als Physiotherapie für Nacken und Schultern, es wäre eine Arbeit, die versteht, dass chronischer Muskeltonus auch die Sprache eines dauerhaft aktivierten Stresssystems ist, und die deshalb sowohl manuell als auch regulatorisch arbeitet, also das Nervensystem einlädt, Sicherheit zu erfahren, anstatt nur die Symptome zu behandeln. Die Gleichgewichtsstörungen würden nicht als isoliertes Phänomen betrachtet, sondern als Signal im Gesamtkontext, das zunächst somatisch versorgt und gleichzeitig biographisch verstanden wird.

Der Körper wird ernst genommen und zugleich als Gesprächspartner behandelt.

Auf der psychischen Ebene wäre ein traumasensibles Vorgehen angemessen, das nicht sofort auf Veränderung drängt, sondern zunächst darauf abzielt, Sicherheit herzustellen, weil Systeme, die lange ohne Sicherheit auskommen mussten, Veränderung zunächst als Bedrohung erleben. Die Prokrastination würde nicht als Willensproblem behandelt, sondern als eingefrorener Selbstschutz, der aufgetaut werden kann, wenn die zugrundeliegende Angst verstanden und bearbeitet wird. Das Sammeln und Horten würde nicht als Symptom angegangen, das es durch Ausmisten zu beheben gilt, sondern als Überlebensstrategie, die einmal sinnvoll war, und die sich nur dann lösen kann, wenn die emotionale Lücke, die sie füllt, auf andere Weise gefüllt wird, durch Beziehung, durch Vertrauen, durch das Erleben, dass Loslassen nicht Auslöschung bedeutet. Das braucht Zeit. Es braucht Beziehung.

Es lässt sich nicht standardisieren.

Auf der sozialen Ebene würde eine systemische Betrachtung fragen, welche Beziehungen es gibt, welche es geben könnte, welche Verbindungen zu Gemeinschaft, zu anderen Menschen, zu bedeutsamen Räumen fehlen oder brachliegen. Nicht als soziale Verschreibung, sondern als Erkundung, was im ökologischen System des Menschen fehlt, das zu Stagnation führt. Renate hat eine Tochter, zu der das Verhältnis warm, aber distanziert ist, und einen Sohn, zu dem es weniger Kontakt gibt. Ein guter Ansatz würde diese Beziehungen nicht unberücksichtigt lassen.

Auf der existenziellen Ebene würde eine ernstgemeinte Begleitung fragen, was trägt, was Sinn gibt, was Renate in den Jahren vor ihr noch bedeutsam machen möchte, und ihr dabei helfen, diese Fragen nicht als Last zu erleben, sondern als Einladung.

 Der Zugang zur eigenen Geschichte ist auch ein Zugang zur eigenen Zukunft.

Prognose und Möglichkeitsraum

Renate ist 63, nicht 83. Ihr System ist erschöpft, aber nicht verbraucht.

Was die Forschung zur Neuroplastizität zeigt, ist, dass das Gehirn und das Nervensystem sich bis ins hohe Alter verändern können, wenn die Bedingungen dafür stimmen – und Bedingung heißt in diesem Fall vor allem: Sicherheit, Beziehung, wiederholte neue Erfahrung. Das ist keine Garantie und kein Versprechen. Aber es ist eine realistische Möglichkeit, die dem Modell der Reparaturmedizin entgeht, weil dieses kein Werkzeug hat für das, was kein Befund und keine Diagnose ist, sondern eine Biografie.

Die Schmerzen werden vielleicht nicht vollständig verschwinden. Aber sie könnten ihre Bedeutung verändern, wenn Renate beginnt zu verstehen, was sie mitteilen, und wenn das System, das sie erzeugt, beginnt, Sicherheit zu erleben statt Dauerspannung. Gleichgewicht entsteht nicht durch Ruhigstellung.

Es entsteht durch lebendige Regulation. Das gilt für Ökosysteme. Es gilt für Menschen.

Zum Mitnehmen

Renate K. ist kein Einzelfall. Sie ist ein Bild davon, wie sich eine Biografie in einen Körper einschreibt, wie frühe Erfahrungen zu Überlebensstrategien werden, die später als Symptome erscheinen, und wie ein Mensch, der auf jeder Ebene gleichzeitig lebt – biologisch, psychisch, sozial und existenziell –, nur dann vollständig verstanden werden kann, wenn alle Ebenen gleichzeitig in den Blick genommen werden. Kein einzelnes Fach sieht das Ganze. Die Orthopädie sieht die Schultern. Die Neurologie sieht den Schwindel. Die Psychologie sieht die Prokrastination. Und die Frage nach Sinn stellt niemand, weil sie im Leistungskatalog nicht vorkommt. Eine Ökologie des Menschen würde alle diese Blicke zusammenführen, nicht, indem jeder alles macht, sondern indem alle wissen, dass das, was sie sehen, nur ein Ausschnitt ist. Denn der Mensch vor ihnen mehr ist als seine Symptome. Genau darum geht es.

  • Inspiration: Lektüre:  Welt am Sonntag.
  • Bildmaterial: KI-generiert. ChatGPT.
  • Dieser Artikel wurde unter Verwendung mehrerer redaktioneller KI-Werkzeuge erstellt.

Über den Autor:

Der Autor ist geprüfter psychologischer Berater (vfp), Heilpraktiker für Psychotherapie, hat ein postgraduiertes Studium in Psychologie zum Ph.D. (philosophy doctor) absolviert und erfolgreich an der Fortbildung zur Qualifikation ‚Psychosomatische Grundversorgung‘ der Landesärztekammer Hessen teilgenommen.

Walter Lenz
Walter Lenz

Er schreibt u.a. über die Übergänge zwischen Nähe und Autonomie, Bindung und Freiheit. Seine Texte verbinden psychologische Tiefe mit dem Blick auf den Menschen, der beides ist: verletzlich und fähig zur Wandlung.