Warum manche Menschen an Widerständen wachsen – und andere sich ihnen ausgeliefert fühlen
Es gibt diese Momente im Leben, in denen plötzlich etwas im Weg liegt. Manchmal ist es nur ein kleiner Stein. Manchmal ist es ein ganzer Felsbrocken. Eine Bewerbung wird abgelehnt. Eine Beziehung zerbricht. Ein Mensch wird ausgegrenzt oder unterschätzt. Eine Krankheit verändert das Leben. Eine Prüfung geht schief. Jemand sagt: „Das kannst du nicht.“ Oder man kämpft schon lange mit sich selbst, mit Ängsten, Unsicherheit, Enttäuschungen oder dem Gefühl, immer wieder zu scheitern.

Menschen reagieren darauf sehr unterschiedlich. Der eine denkt: „Warum passiert das immer mir? Ich kann sowieso nichts ändern.“ Ein anderer denkt: „Na gut. Dann eben anders.“ Und manchmal entsteht sogar dieser fast trotzige Satz: „Und jetzt erst recht.“
Dieser Satz kann erstaunlich viel Kraft enthalten. Er bedeutet nicht: Mir tut nichts weh. Er bedeutet auch nicht: Ich brauche niemanden. Er bedeutet vielmehr: Was mir passiert, darf mich treffen. Aber es soll nicht allein darüber bestimmen, wie mein Leben weitergeht.
Überblick
Menschen unterscheiden sich darin, wie sie mit Schwierigkeiten umgehen. Manche werden durch Widerstände eher mutiger und entschlossener. Andere fühlen sich schneller hilflos und ausgeliefert. Das hat nicht einfach mit einem „starken“ oder „schwachen“ Charakter zu tun.
Eine wichtige Rolle spielen frühere Erfahrungen. Wer erlebt hat, dass eigenes Handeln etwas bewirken kann, entwickelt leichter Vertrauen in die eigene Kraft. Wer dagegen häufig erfahren hat, dass Anstrengung nichts verändert, kann lernen, sich machtlos zu fühlen.
Auch Selbstvertrauen, Unterstützung durch andere Menschen, die persönliche Lebensgeschichte und die Art, wie jemand über Schwierigkeiten denkt, spielen eine Rolle. Und auch der eigene Körper spielt mit: Wie ein Mensch schläft, isst, sich bewegt und ob er sich sicher fühlt, das alles beeinflusst, wie viel Kraft gerade da ist.
Die Haltung „Und jetzt erst recht“ kann man deshalb nicht einfach verlangen. Aber man kann sie fördern und lernen. Oft beginnt sie mit einer kleinen Erfahrung: Ich bin meiner Situation nicht völlig ausgeliefert. Es gibt etwas, das ich tun kann.
Worum es geht
Es geht um eine wichtige menschliche Frage: Warum richtet sich ein Mensch nach einem Rückschlag wieder auf, während ein anderer liegen bleibt?
Dabei sollten wir vorsichtig sein. Es wäre ungerecht, den einen als Kämpfer zu bewundern und den anderen als schwach zu verurteilen. Wir wissen oft nicht, welche Geschichte ein Mensch mit sich trägt. Vielleicht hat derjenige, der schnell aufsteht, schon früh gelernt: „Ich kann etwas bewirken.“ Vielleicht gab es Eltern, Lehrer, Freunde oder andere Menschen, die ihm etwas zugetraut haben. Und vielleicht hat der andere sehr oft das Gegenteil erfahren: „Es spielt keine Rolle, was ich tue.“ Dann kann Rückzug eine verständliche Reaktion sein.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wer ist stark und wer ist schwach? Interessanter ist die Frage: Was hilft einem Menschen, wieder Einfluss auf sein eigenes Leben zu spüren?
Trotz als Lebensenergie
„Und jetzt erst recht“ klingt zunächst nach Trotz. Und ein wenig Trotz steckt tatsächlich darin. Aber Trotz muss nichts Schlechtes sein. Er kann eine Form von Lebensenergie sein.
Ein Kind fällt hin und steht wieder auf. Ein Jugendlicher hört, dass ihm etwas nicht zugetraut wird, und möchte gerade deshalb zeigen, dass er es kann. Ein Erwachsener verliert seine Arbeit und beginnt nach einiger Zeit, einen neuen Weg zu suchen. Ein älterer Mensch erlebt, dass manches nicht mehr so geht wie früher, und entdeckt dafür andere Möglichkeiten.
Immer geschieht etwas Ähnliches: Der Mensch erlebt eine Grenze, aber er macht diese Grenze nicht zur ganzen Wahrheit über sich selbst. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Wenn etwas schiefgeht, können wir nämlich leicht aus einem einzelnen Ereignis ein Urteil über uns selbst machen. Aus „Ich habe diese Prüfung nicht bestanden“ wird dann: „Ich bin zu dumm.“ Aus „Diese Beziehung ist gescheitert“ wird: „Mit mir kann niemand glücklich werden.“ Aus „Ich habe diese Stelle nicht bekommen“ wird: „Mich will sowieso niemand.“ Damit wird aus einem Problem eine Identität.
Man kann sich das wie einen kleinen Fleck auf einem großen Bild vorstellen. Der Fleck ist da, er gehört zum Bild dazu. Aber er ist nicht das ganze Bild. Wenn wir nur noch den Fleck sehen, vergessen wir alles andere, was auch noch auf dem Bild ist.
Die Haltung „Und jetzt erst recht“ macht etwas anderes. Sie trennt den Menschen von seinem Misserfolg. Sie sagt: Ich bin gescheitert, aber ich bin nicht das Scheitern.
Woher kommt diese Fähigkeit?
Ein wichtiger Punkt ist die Erfahrung, selbst etwas bewirken zu können. In der Psychologie spricht man von Selbstwirksamkeit. Das schwierige Wort beschreibt eigentlich etwas sehr Einfaches: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mein Handeln einen Unterschied machen kann.
Vielleicht konnte ich früher ein Problem lösen. Vielleicht habe ich etwas gelernt, was ich mir zunächst nicht zugetraut hatte. Vielleicht habe ich einmal eine schwierige Zeit überstanden. Solche Erfahrungen hinterlassen Spuren. Sie sagen uns später: „Es war schon einmal schwierig. Und trotzdem habe ich einen Weg gefunden.“
Man kann sich das vorstellen wie kleine Fußspuren im Schnee. Jede einzelne Spur ist klein. Aber viele Spuren zusammen zeigen: Hier bin ich schon einmal gegangen. Ich kann auch weitergehen.
Aber auch die gegenteilige Erfahrung hinterlässt Spuren. Wenn ein Mensch immer wieder erlebt, dass er keinen Einfluss hat, kann er irgendwann aufhören, es überhaupt zu versuchen. Er hat vielleicht gekämpft, aber niemand hat darauf reagiert. Er hat sich angestrengt, aber wurde trotzdem abgewertet. Er hat um Hilfe gebeten und keine bekommen.
Dann kann sich eine andere Überzeugung entwickeln: „Es hat sowieso keinen Sinn.“ Das sieht von außen manchmal nach Bequemlichkeit oder Passivität aus. Doch häufig steckt eine Geschichte dahinter. Deshalb sollte man mit dem Begriff „Opferrolle“ vorsichtig umgehen.
Es gibt Menschen, die tatsächlich Opfer geworden sind. Ihnen wurde Unrecht getan. Sie wurden verletzt, benachteiligt, verlassen, betrogen oder gedemütigt. Das darf man nicht kleinreden. Ein Mensch muss nicht so tun, als sei nichts geschehen. Problematisch wird es erst, wenn aus der Erfahrung, Opfer geworden zu sein, langsam die Überzeugung entsteht: Ich bin grundsätzlich machtlos. Andere bestimmen mein Leben. Ich kann nichts verändern. Dann wird aus einem schmerzhaften Erlebnis eine dauerhafte Lebenshaltung.
Der erste kleine Schritt
Aber auch daraus kann ein Mensch wieder herausfinden. Und meistens beginnt das nicht mit großen Heldentaten.
Vielleicht beginnt es damit, morgens aufzustehen, obwohl man am liebsten liegen bleiben würde. Einen Anruf zu machen, vor dem man Angst hat. Noch eine Bewerbung zu schreiben. Jemandem zu widersprechen. Um Hilfe zu bitten. Einen Fehler zuzugeben. Einen neuen Versuch zu wagen. Von außen wirken solche Schritte manchmal klein. Für den betreffenden Menschen können sie riesig sein.
Man braucht dabei auch nicht sofort den ganzen Weg zu sehen. Es reicht oft, den nächsten Schritt zu erkennen. So wie beim Gehen im Dunkeln mit einer Taschenlampe: Man sieht nicht die ganze Strecke, aber man sieht genug, um den nächsten Fuß hinzusetzen. Und wenn dieser Schritt getan ist, zeigt sich meistens schon der nächste.
Wichtig ist dabei auch: Ein Rückschritt bedeutet nicht, dass alles umsonst war. Manchmal geht ein Mensch zwei Schritte vor und einen wieder zurück. Das gehört dazu. Es zählt trotzdem, dass insgesamt eine Bewegung nach vorne entsteht.
Wer uns dabei hilft
Dabei spielen andere Menschen eine wichtige Rolle. Das Bild vom starken Menschen, der alles allein schafft, ist ohnehin fragwürdig. Viele widerstandsfähige Menschen hatten irgendwann jemanden, der an sie geglaubt hat. Manchmal genügt ein einziger Mensch, der sagt: „Versuch es noch einmal. Ich traue dir das zu.“
Solche Sätze können lange in uns weiterleben. Das kann ein Elternteil sein, ein Lehrer, eine Betreuerin, ein Freund oder eine Freundin. Manchmal ist es auch jemand, den man gar nicht so gut kennt, der aber im richtigen Moment ein aufmunterndes Wort gefunden hat. Solche Menschen sind wie ein zweites Rückgrat. Wenn das eigene gerade müde ist, kann man sich ein Stück weit an ihnen festhalten, bis die eigene Kraft zurückkommt.
Deshalb ist es auch keine Schwäche, Hilfe anzunehmen. Es ist eher ein Zeichen von Klugheit, zu wissen: Ich muss das nicht alles allein schaffen.
Die eigene Sprache
Auch die eigene Sprache spielt eine Rolle. Es macht einen Unterschied, ob ich denke: „Ich kann das nicht“, oder ob ich sage: „Ich kann das noch nicht.“ Dieses kleine Wort „noch“ öffnet eine Tür. Es macht aus einem endgültigen Urteil eine vorläufige Situation.
Ähnlich ist es mit der Frage: „Warum passiert mir das?“ Diese Frage ist verständlich. Manchmal müssen wir sie stellen. Aber wenn wir nur bei ihr bleiben, drehen wir uns möglicherweise im Kreis. Irgendwann kann eine zweite Frage hilfreicher werden: „Was kann ich jetzt tun?“
Vielleicht kann ich nicht ändern, was geschehen ist. Vielleicht kann ich nicht ändern, was andere Menschen getan haben. Vielleicht kann ich auch bestimmte Grenzen meines Lebens nicht beseitigen. Aber möglicherweise kann ich entscheiden, was mein nächster Schritt sein soll. Genau dort beginnt Freiheit. Nicht die große Freiheit, alles bestimmen zu können. Diese Freiheit besitzt niemand. Es ist die kleinere, realistischere Freiheit, innerhalb einer schwierigen Situation noch einen eigenen Schritt machen zu können.

Warum es sich lohnt, dranzubleiben
Und deshalb ist „Und jetzt erst recht“ vielleicht weniger ein Schlachtruf als eine innere Haltung. Sie muss auch nicht laut sein. Manchmal sagt ein Mensch diesen Satz nur ganz leise zu sich selbst: „Ich versuche es noch einmal.“ „Ich lasse mich davon nicht völlig bestimmen.“ „Ich hole mir Hilfe.“ „Ich suche einen anderen Weg.“ „Ich weiß noch nicht, wie es weitergeht. Aber ich gehe weiter.“
Vielleicht ist das die reifere Form des „Und jetzt erst recht“. Nicht gegen die ganze Welt. Nicht aus blindem Trotz. Nicht mit der Vorstellung, alles allein schaffen zu müssen. Sondern mit einem wachsenden Vertrauen: Mein Leben besteht nicht nur aus dem, was mir widerfährt. Es besteht auch daraus, was ich daraus mache.
Zum Mitnehmen
Manche Menschen tragen die Haltung „Und jetzt erst recht“ scheinbar schon früh in sich. Andere müssen sie erst entdecken. Und manche verlieren sie zeitweise und finden sie später wieder. Deshalb sollten wir vorsichtig damit sein, Menschen in „stark“ und „schwach“ einzuteilen. Wer heute mutlos ist, kann morgen wieder Mut entwickeln. Wer sich heute als Opfer seiner Umstände erlebt, kann Schritt für Schritt entdecken, dass er doch noch Handlungsmöglichkeiten besitzt.
Widerstandskraft bedeutet nicht, niemals zu fallen. Sie bedeutet auch nicht, keine Angst zu haben, nicht traurig zu sein oder keine Hilfe zu brauchen. Vielleicht bedeutet sie etwas viel Einfacheres: Hinfallen dürfen. Liegen bleiben dürfen. Sich helfen lassen dürfen. Und irgendwann wieder den eigenen Fuß auf den Boden setzen. Dann kann aus einem leisen „Ich kann nicht mehr“ langsam ein „Vielleicht geht doch noch etwas“ werden. Und manchmal entsteht daraus schließlich jener eigensinnige, lebensbejahende Satz: „Und jetzt erst recht.“
Hinweis: Dieser Artikel entstand mit KI-Unterstützung. Die Verantwortung für Thema, Format, Aufbau, Inhalt und Aussage liegt bei mir. KI habe ich für Recherche, Strukturierung und redaktionelle Überarbeitung eingesetzt. Die Illustrationen wurden mithilfe generativer Bild-KI entwickelt. Verwendet wurden unter anderem ChatGPT, Manus AI, Microsoft Copilot, Claude und Google Gemini.
Über den Autor:
Der Autor ist geprüfter psychologischer Berater (vfp), Heilpraktiker für Psychotherapie, hat ein postgraduiertes Studium in Psychologie zum Ph.D. (philosophy doctor) absolviert und erfolgreich an der Fortbildung zur Qualifikation ‚Psychosomatische Grundversorgung‘ der Landesärztekammer Hessen teilgenommen.

Er schreibt u.a. über die Übergänge zwischen Nähe und Autonomie, Bindung und Freiheit. Seine Texte verbinden psychologische Tiefe mit dem Blick auf den Menschen, der beides ist: verletzlich und fähig zur Wandlung.