Spätherbst in der norddeutschen Provinz. Weite, flache Landschaft, kaum Schutz, kaum Orientierungspunkte. Der Himmel hängt tief, die Dunkelheit kommt früh, der Regen kündigt sich lange an, bevor er fällt. Als sie mir später von der gemeinsamen Fahrt zu einem Geburtstag erzählten, hatte ich sofort ein Bild vor Augen: Bewegung ohne Ziel, Unterwegssein ohne wirkliche Richtung. Autofahren war in dieser Beziehung kein neutrales Tun, sondern ein Beziehungsgeschehen. Es ging um Wissen, um Kontrolle, um die Frage, wer führen darf, wenn Unsicherheit aufkommt. Schon beim ersten Hören war mir klar, dass diese äußere Szenerie mehr war als Hintergrund. Sie spiegelte eine Beziehung, die sich seit Jahren bewegte, ohne wirklich voranzukommen.
Continue Reading „Im Schlamm“ – Eine Paarbeziehung zwischen Kontrolle, Angst und dem Ende der GewohnheitAutor: admin (Seite 8 von 36)
Es fühlt sich an, als liefe im Hintergrund etwas Dauerndes mit. Kein richtiger Schmerz, eher ein inneres Ziehen. Der Körper ist angespannt, ohne dass es einen klaren Anlass gäbe. Gedanken verlieren ihre Konturen, Gefühle kommen verzögert oder überwältigend. Worte von außen treffen härter als früher, Blicke scheinen länger zu haften. Und während man nach außen noch reagiert, funktioniert, organisiert, beginnt innen etwas zu verschwimmen.
Continue Reading Wenn Schutz zur Selbstvergessenheit wirdManchmal ist da ein Ziehen, kein richtiger Schmerz, eher ein dumpfes Erinnern im Körper. Ein verspannter Nacken, ein Magen, der sich zusammenzieht, ein Atem, der zu flach bleibt. Es gibt keinen klaren Anlass, keinen aktuellen Konflikt, kein frisches Unglück. Und doch meldet sich etwas.
Continue Reading Wenn der Körper sich erinnert: Über Vergebung, Verarbeitung und das, was bleibt„Erkläre mir, Graf Oerindur, dieses Wunder der Natur“ °
So beginnt Staunen oft: mit einer scheinbar harmlosen Frage. Eine Quelle sprudelt aus dem Boden, und obwohl wir alle gelernt haben, was Grundwasser ist und warum es regnet, bleibt dieser Moment merkwürdig unauflösbar. Etwas tritt hervor, ohne sichtbar erzeugt zu werden. Das Wasser kommt einfach. Genau hier sitzt der Ursprung des Staunens: im Widerstand zwischen Erklärung und Erleben. Man weiß etwas – und ist dennoch überwältigt.
Continue Reading Über das Staunen – Eine Anleitung zum Wiederfinden der VerwunderungAstrologie und Horoskope gehören zu den ältesten kulturellen Praktiken der Menschheit. Seit Menschen zum Himmel blickten, suchten sie dort nicht nur Orientierung im Raum und in der Zeit, sondern auch Sinn, Trost und Ordnung. In einer Welt, die als unüberschaubar, bedrohlich oder zufällig erlebt wurde, boten Sterne und Konstellationen eine stille Verlässlichkeit. Noch heute entfalten Horoskope eine eigentümliche Anziehungskraft, gerade in Zeiten individueller und gesellschaftlicher Verunsicherung. Sie sprechen leise, persönlich, scheinbar wohlwollend. Sie versprechen kein hartes Gesetz, sondern ein Angebot: ein Deutungsrahmen, der Halt gibt, ohne zu zwingen. Genau darin liegt ihre psychologische Wirksamkeit, aber auch ihr Risiko. Astrologie bewegt sich im Grenzraum zwischen Sinnstiftung und Selbsttäuschung, zwischen Selbstermutigung und subtiler Fremdsteuerung.
Continue Reading Astrologie und Horoskope: sie können helfen – sie können schadenEin praxisnaher Zugang zu energetischer Psychologie und Achtsamkeit
Manche Menschen kommen nicht mit einem klar umrissenen Problem in die Therapie, sondern mit einem diffusen Gefühl: etwas stimmt nicht mehr. Der Körper ist angespannt, der Kopf übervoll, die Emotionen schwer greifbar. Nach außen funktioniert vieles, nach innen fühlt es sich brüchig an. Gerade in solchen Situationen stoßen rein kognitive Erklärungen schnell an ihre Grenzen. Es braucht einen Raum, in dem nicht sofort verstanden, gelöst oder bewertet werden muss, sondern zunächst wahrgenommen werden darf, was ist. Integrierte Therapieansätze, die Körper, Aufmerksamkeit und Beziehung gleichermaßen einbeziehen, setzen genau hier an.
Continue Reading Integrierte Therapie zwischen Körper, Aufmerksamkeit und BeziehungTheorie und Praxis im Überblick nach Carl Rogers (1902-1987)
Manche Gespräche verändern nichts – andere verändern alles. Nicht, weil darin kluge Ratschläge gegeben oder Probleme „gelöst“ werden, sondern weil sich im Sprechen etwas verschiebt: ein innerer Ton, ein bislang ungehörtes Gefühl, eine neue Beziehung zu sich selbst. Die Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers setzt genau hier an. Sie versteht das therapeutische Gespräch nicht als Technik zur Korrektur, sondern als Raum, in dem Entwicklung möglich wird. Entwicklung allerdings nicht beliebig, sondern in erkennbaren Schritten. Wer genau hinsieht, kann beobachten, wie Menschen sich im Gespräch langsam von äußeren Beschreibungen lösen und den Mut entwickeln, sich selbst zu begegnen. Die sieben Stufen der Gesprächspsychotherapie beschreiben diesen Weg.
Continue Reading Die sieben Stufen der GesprächspsychotherapieViele Menschen suchen psychotherapeutische Hilfe in der Hoffnung, ihre Probleme endlich „zu verstehen“. Sie erwarten Erklärungen, Ursachen, vielleicht sogar Schuldige – in sich selbst oder in anderen. Doch was, wenn Verstehen allein nicht hilft? Was, wenn das ständige Kreisen um das Problem es sogar verfestigt? Die lösungsorientierte Kurzzeittherapie setzt genau hier an und schlägt einen Perspektivwechsel vor: weg vom Problem, hin zur Lösung. Nicht, weil Probleme unwichtig wären, sondern weil Menschen mehr sind als ihre Symptome – und weil Veränderung oft dort beginnt, wo der Blick sich weitet.
Continue Reading Lösungsorientierte KurzzeittherapieAcht Fragen, die Nähe, Verständnis und Vertrauen fördern
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen mit einem Partner oder einer Partnerin am Tisch, vielleicht bei einer Tasse Tee, und fühlen gleichzeitig eine leichte Distanz. Sie leben zusammen, kennen sich seit Jahren – und doch fragen Sie sich manchmal: „Weiß ich wirklich, was in meinem Partner vorgeht?“ Beziehungen leben von Nähe, aber Nähe allein genügt nicht. Die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen, kann helfen, diese Distanz zu überbrücken, Missverständnisse zu vermeiden und die Partnerschaft lebendig zu halten.
Continue Reading Die Kunst der richtigen Fragen in BeziehungenEs ist ein kalter Herbstmorgen. Nebel liegt über dem Friedhof, und das erste Laub fällt von den Bäumen. Ein alter Mann steht vor einem Grabstein, die Hände tief in den Taschen vergraben. Er denkt an die Jahre zurück, an das Leben, das so schnell vorbeigezogen ist. In diesem Moment – zwischen Erinnerung und Vergänglichkeit – wird spürbar, was der Tod eigentlich ist: nicht nur ein Ende, sondern ein Spiegel. Er zeigt uns, wer wir waren, wer wir sind und wer wir noch sein könnten. Er fragt uns: Was zählt wirklich? Wofür hast du gelebt? Und wofür wirst du noch leben, solange dir Zeit bleibt?
Continue Reading Denken wir an unseren Tod, schauen wir in den Spiegel unseres Lebens