Psycho Med News

Mit Beiträgen von Walter Lenz

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Der Reiz des Jetzt — Gegenwartsbias, Prokrastination und die stille Architektur des Scheiterns

Es ist ein Dienstagvormittag. Der Kaffee ist frisch. Die Liste liegt bereit. Und trotzdem öffnet sich zuerst der Browser, dann ein Video, dann irgendein Kaninchenbau aus Empfehlungen und Ablenkungen – bis der Vormittag weg ist und mit ihm das leise Versprechen, das man sich selbst gegeben hatte. Niemand hat entschieden, heute nichts zu tun. Es ist einfach passiert. Langsam, unmerklich, durch eine Reihe kleiner Ja-Sagen zu dem, was im Moment angenehmer war.

Der Reiz des Jetzt — Gegenwartsbias, Prokrastination und die stille Architektur des Scheiterns
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Wenn der Körper stolpert – und die Seele spricht

Ein Leben zwischen Verlusttrauma und neurologischer Irritation

Es gibt Momente, in denen ein Mensch mitten im Satz innehält. Nicht weil ihm die Worte fehlen. Sondern weil der Faden, an dem die Worte hängen, kurz – nur kurz – nicht da ist. Eine halbe Sekunde, vielleicht eine ganze. Das Gegenüber wartet. Der Mensch runzelt die Stirn, nicht ärgerlich, eher suchend, mit dem Gesichtsausdruck von jemandem, der weiß, dass er etwas weiß, und der gerade nicht drankommt. Dann – manchmal – findet er es wieder. Und manchmal setzt er einfach neu an, an einer anderen Stelle, als wäre der verlorene Faden nie gewesen. Dieser Moment ist klein. Er dauert nicht lang. Aber er hinterlässt etwas. Vor allem bei dem, dem er passiert.

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Die Waage im Inneren

Über das fragile Gleichgewicht von Schmerz und Sinn – und wie wir lernen, es zu halten

Die Waage im Inneren
Die Waage im Inneren

Manchmal genügt ein einziger Moment, um zu spüren, wie widersprüchlich Leben ist. Ein Lächeln mitten in der Trauer, ein Hoffnungsschimmer im Schatten einer Angst, ein stilles Glück, das sich nicht rechtfertigen muss, obwohl ringsum vieles brüchig erscheint.

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Von Rut und Fathmagül (1300 v.Chr. – 2000 n.Chr.)   

Warum Zugehörigkeit eine Entscheidung ist – und kein Schicksal

Es beginnt leise, fast unscheinbar: Eine Frau steht an der Grenze zwischen dem, was sie kennt, und dem, was sie noch nicht begreifen kann. Hinter ihr liegt die vertraute Welt aus Sprache, Gewohnheiten und Erwartungen – die Gerüche des Marktes, die Stimmen der Nachbarinnen, die stillen Regeln einer Gesellschaft, in der man weiß, wer man ist, weil andere es einem täglich bestätigen. Ihr Gewand verrät, woher sie kommt: Es ist die Kleidung einer Frau, die eingebettet ist, die dazugehört, die erkennbar ist als Teil einer Ordnung, die größer ist als sie selbst. Diese Welt ist nicht nur Heimat, sie ist Spiegel – und Schutz und Käfig zugleich. Rut, die Frau aus Moab, kennt diese Ordnung. Sie kennt ihren Platz darin, ihre Pflichten, ihre Grenzen.

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Warum das Schweigen manchmal mehr heilt als jede Antwort – eine Lektion aus dem Buch Hiob

Es ist Dienstagvormittag. In einem hellen Wohnzimmer sitzt ein Mann an einem Tisch. Vor ihm liegt ein Blatt Papier, ein Stift. Er schaut sie an, als wären sie Fremdkörper. Die rechte Hand liegt flach auf der Tischplatte. Sie bewegt sich nicht. Draußen fährt ein Auto vorbei. Eine Taube landet auf dem Fensterbrett und fliegt wieder weg. Das Leben geht weiter, vollkommen unbeeindruckt.

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Hagar – die Unsichtbare, die gesehen wird

Eine alte Geschichte über Macht, Ohnmacht und die Suche nach Würde – damals wie heute.

Hagar ist die Sklavin von Abraham und seiner Frau Sara. Weil Sara lange kein Kind bekommt, gibt sie Hagar Abraham zur Frau, damit sie für ihn ein Kind gebiert. Als Hagar schwanger wird, entstehen Spannungen, und sie flieht in die Wüste – doch Gott begegnet ihr dort und verspricht, dass ihr Sohn Ismael ein großes Volk begründen wird. Sara wird überraschend doch schwanger und gebiert den Sohn Isaak. Später wird Hagar mit Ismael endgültig fortgeschickt, aber wieder sorgt Gott in der Wüste für ihr Überleben. (Genesis 16 ff.)

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