Spätherbst in der norddeutschen Provinz. Weite, flache Landschaft, kaum Schutz, kaum Orientierungspunkte. Der Himmel hängt tief, die Dunkelheit kommt früh, der Regen kündigt sich lange an, bevor er fällt. Als sie mir später von der gemeinsamen Fahrt zu einem Geburtstag erzählten, hatte ich sofort ein Bild vor Augen: Bewegung ohne Ziel, Unterwegssein ohne wirkliche Richtung. Autofahren war in dieser Beziehung kein neutrales Tun, sondern ein Beziehungsgeschehen. Es ging um Wissen, um Kontrolle, um die Frage, wer führen darf, wenn Unsicherheit aufkommt. Schon beim ersten Hören war mir klar, dass diese äußere Szenerie mehr war als Hintergrund. Sie spiegelte eine Beziehung, die sich seit Jahren bewegte, ohne wirklich voranzukommen.

„Im Schlamm“ – Eine Paarbeziehung zwischen Kontrolle, Angst und dem Ende der Gewohnheit
„Im Schlamm“ – Eine Paarbeziehung zwischen Kontrolle, Angst und dem Ende der Gewohnheit

Spätherbst in der norddeutschen Provinz. Weite, flache Landschaft, kaum Schutz, kaum Orientierungspunkte. Der Himmel hängt tief, die Dunkelheit kommt früh, der Regen kündigt sich lange an, bevor er fällt. Als sie mir später von der gemeinsamen Fahrt zu einem Geburtstag erzählten, hatte ich sofort ein Bild vor Augen: Bewegung ohne Ziel, Unterwegssein ohne wirkliche Richtung. Autofahren war in dieser Beziehung kein neutrales Tun, sondern ein Beziehungsgeschehen. Es ging um Wissen, um Kontrolle, um die Frage, wer führen darf, wenn Unsicherheit aufkommt. Schon beim ersten Hören war mir klar, dass diese äußere Szenerie mehr war als Hintergrund. Sie spiegelte eine Beziehung, die sich seit Jahren bewegte, ohne wirklich voranzukommen.

Überblick

Dieser Fall wurde für mich zu einem der schwersten meiner Praxis, nicht wegen seiner Dramatik, sondern wegen seiner Ambivalenz. Es handelte sich um eine langjährige Paarbeziehung, in der sich Dominanz und Anpassung zu einem stabilen, aber erschöpfenden Muster verdichtet hatten. Kontrolle diente als Abwehr von Scham und Ohnmacht, Rückzug als Schutz vor Angst. Ein äußerer Stillstand – das Festfahren im Schlamm – brachte das Beziehungssystem zum Innehalten und machte sichtbar, dass Bewegung bislang nur innerhalb immer gleicher Konfliktschleifen stattfand. Die Trennung erfolgte nicht aus fehlender Liebe, sondern aus der Notwendigkeit psychischer Selbstrettung. Für mich therapeutisch entscheidend war nicht nur das Verstehen der Dynamik, sondern der Umgang mit meiner eigenen Unsicherheit im Prozess.

Worum es geht

Rückblickend ging es in diesem Fall um mehrere Ebenen zugleich. Um die Frage, wie Beziehungen über Jahre funktionieren können, obwohl sie innerlich zunehmend Angst erzeugen. Wie Konflikte paradoxerweise Halt geben, weil sie vertraut sind. Wie Dominanz und Anpassung sich gegenseitig stabilisieren, bis beide Seiten erschöpft sind. Und auch um die Frage, wie Therapeuten mit dem Punkt umgehen, an dem Beziehung nicht mehr Entwicklung ermöglicht, sondern Selbstverlust organisiert. Dieser Fall zwang mich, meine eigene therapeutische Haltung zu überprüfen: Wann begleite ich Veränderung, wann halte ich aus, wann muss ich innerlich einen Abschied akzeptieren, bevor er im Raum ausgesprochen wird?

Der Fall

Er fährt. Das ist gesetzt. Er weiß, wo es langgeht. Hinweise von ihr auf Abzweigungen oder andere Einschätzungen erlebt er nicht als Kooperation, sondern als Angriff. Seine Reaktionen sind Ärger, Rechthaberei, Wut. Er sagt, er wolle sich nicht lächerlich machen. Irrtum ist für ihn keine Option. Sie lernt schnell, dass ihre Wahrnehmung in dieser Beziehung gefährlich ist. Anfangs versucht sie es noch vorsichtig, dann immer seltener. Schließlich schweigt sie. Doch selbst das Schweigen schützt sie nicht. Ein Blick, ein Atemzug, ein Kopfschütteln reichen aus, um neue Eskalationen auszulösen.

Was es mit mir tat

Schon früh hatte ich das Gefühl, dass Dominanz hier weniger Charakterzug als Abwehr ist. Bindungstheoretisch deutete vieles auf eine unsichere Organisation hin, in der Nähe nur unter Bedingungen von Überlegenheit erträglich war. Schematherapeutisch zeigte sich ein stark aktiviertes Beschämungs- und Unzulänglichkeitsschema, das durch Überkompensation reguliert wurde. Psychodynamisch diente Kontrolle der Abwehr von Ohnmacht. Gleichzeitig begann ich zu spüren, wie sehr mich seine Rechthaberei innerlich ermüdete und wie schnell ich mit ihrer Anpassung sympathisierte.

In den ersten Sitzungen versuchte ich zunächst, beiden Seiten gleichermaßen Raum zu geben. Ich bat ihn, seine Perspektive zu schildern, fragte nach den Momenten, in denen er sich missverstanden fühlte. Ich wollte verstehen, was hinter seiner Kontrolle lag, welche Verletzlichkeit sich dahinter verbarg. Doch je mehr ich nachfragte, desto mehr spürte ich einen inneren Widerstand in mir selbst aufsteigen. Seine Antworten wirkten auf mich wie Mauern, hinter denen sich nichts Weiches zeigte, nur weitere Verteidigungslinien. Ich merkte, wie ich begann, seine Erklärungen als Rechtfertigungen zu hören, nicht als Öffnung. Das irritierte mich, denn ich wusste, dass diese innere Haltung meinerseits therapeutisch problematisch war.

Parallel dazu beobachtete ich meine Reaktionen auf sie. Wenn sie von Situationen berichtete, in denen sie geschwiegen hatte, obwohl sie etwas sagen wollte, spürte ich einen Impuls, sie zu ermutigen, ihr zu sagen, dass ihre Wahrnehmung wertvoll sei. Ich wollte ihr Halt geben, wo er ihr Halt nahm. Doch genau dieser Impuls machte mich unruhig. War ich noch neutral? Oder hatte ich bereits Position bezogen, ohne es mir einzugestehen? In meinen Notizen nach den Sitzungen fand ich Formulierungen wie „sie wirkt so erschöpft“ oder „er lässt keinen Raum“. Die Sprache verriet mich. Ich war nicht mehr in der therapeutischen Schwebe, sondern hatte innerlich eine Allianz gebildet.

Erst später, in der Supervision, verstand ich, dass genau diese innere Bewegung Teil des Falls war. Mein Supervisor fragte mich, was ich fühlte, wenn ich an die beiden dachte. Ich antwortete zögernd, dass ich Mitgefühl für sie empfand und Ungeduld ihm gegenüber. Er nickte und sagte dann etwas, das mich veränderte: „Vielleicht zeigt Ihnen das, wie diese Beziehung auf andere wirkt. Vielleicht ist das, was Sie fühlen, genau das, was sie seit Jahren erlebt.“ Mir wurde klar, dass meine Gegenübertragung kein Fehler war, sondern diagnostisch wertvoll. Die Erschöpfung, die ich spürte, war ihre Erschöpfung. Die Ungeduld, die ich empfand, war der Widerhall ihrer Ohnmacht.

Die Fahrt zur Geburtstagsfeier brachte die Beziehung in eine existenzielle Zuspitzung. Dunkelheit, starker Regen, schlechte Sicht. Das Navigationssystem führte sie auf einen Feldweg. Das Auto rutschte ab, blieb im Schlamm stecken. Kein Empfang, kein Außen. Mehrere Befreiungsversuche scheiterten. Er schob, wurde nass, fror, erschöpfte sich. Schließlich befahl er ihr ans Steuer, erklärte mit wachsender Aggression, was sie zu tun habe. Die Situation entzog sich vollständig seiner Kontrolle.

Was es mit mir tat

Der äußere Stillstand war kein Zufall, sondern eine Metapher, die mich lange beschäftigte. Die Beziehung kam nicht mehr voran, weil Bewegung immer nur innerhalb derselben Muster stattfand. Psychodynamisch kollabierte hier die Abwehr: Kontrolle versagte, Ohnmacht trat hervor und wurde sofort durch Wut überdeckt.

Als sie mir diese Szene schilderten, saß ich da und wusste zunächst nicht, wie ich reagieren sollte. Ich spürte, dass hier etwas Entscheidendes geschehen war, doch ich konnte noch nicht benennen, was genau. Mein erster Impuls war, die Situation therapeutisch zu nutzen, sie als Übung in gemeinsamer Krisenbewältigung zu rahmen. Ich wollte fragen: „Was hätte Ihnen beiden in diesem Moment geholfen? Wie hätten Sie sich gegenseitig stützen können?“ Doch noch während ich die Frage formulierte, spürte ich, wie künstlich sie klang. Es ging längst nicht mehr um bessere Kommunikation oder gemeinsame Strategien. Es ging um etwas Grundsätzlicheres.

Therapeutisch erkannte ich, dass genau hier Entwicklung möglich gewesen wäre – im gemeinsamen Aushalten des Nicht-Könnens. Wenn beide in der Lage gewesen wären, die Ohnmacht zu teilen, ohne sie in Aggression oder Rückzug zu verwandeln, hätte sich etwas öffnen können. Doch ich sah auch, dass diese Form von Nähe für dieses Paar unerreichbar war. Sie hatten nie gelernt, Verletzlichkeit gemeinsam zu ertragen. Jede Krise wurde zum Machtkampf, jede Schwäche zum Anlass für Abwertung oder Rückzug.

In meinen Überlegungen nach dieser Sitzung fragte ich mich, ob ich früher hätte intervenieren müssen. Hätte ich direkter ansprechen sollen, wie destruktiv seine Kontrolle war? Hätte ich ihr früher sagen sollen, dass ihre Anpassung nicht Loyalität war, sondern Selbstaufgabe? Doch je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, dass solche Interventionen nur dann wirken, wenn beide innerlich bereit sind, sie zu hören. Und diese Bereitschaft war nicht da, jedenfalls nicht bei ihm. Ich hätte riskiert, ihn zu verlieren, die Therapie abzubrechen, bevor überhaupt eine Veränderung möglich wurde. Oder schlimmer noch: Ich hätte ihn in eine Position gebracht, in der er sich verteidigen musste, was die Dynamik nur verstärkt hätte.

Entscheidend war, dass sie diesmal nicht reagierte wie gewohnt. Keine Vorwürfe, keine Schulddebatte. Sie blieb ruhig, sachlich, schlug vor, die nassen Sachen auszuziehen und trockene anzuziehen. Gerade dieses Ausbleiben der gewohnten Eskalation brachte ihn erneut in Rage. Er warf ihr vor, dass sie keine Vorwürfe machte.

Was es mit mir tat

In der Supervision wurde mir später gespiegelt, wie zentral dieser Moment war. Konflikte hatten in dieser Beziehung eine stabilisierende Funktion. Sie waren vertraut, identitätsstiftend, bindend. Ihr Ausstieg aus dem Muster bedeutete nicht nur Autonomie, sondern den Zusammenbruch des Beziehungssystems. Für sie war es ein innerer Schritt nach vorn, für ihn ein massiver Kontrollverlust.

Für mich war es der Moment, in dem ich begann, mich zu fragen, ob ich noch Paartherapie machte oder bereits Trennungsbegleitung – ohne es mir einzugestehen. Diese Frage quälte mich über Wochen. Ich saß in den Sitzungen und beobachtete, wie sie sich innerlich von ihm löste, während er verzweifelt versuchte, die alte Ordnung wiederherzustellen. Ich sah, wie ihre Sätze kürzer wurden, wie sie weniger erklärte, weniger rechtfertigte. Und ich sah, wie seine Fragen drängender wurden, wie er nach Gründen suchte, nach Logik, nach etwas, das er verstehen und damit kontrollieren konnte.

Was sollte ich tun? Sollte ich diese Entwicklung benennen? Sollte ich sie darauf ansprechen, dass sie sich bereits entschieden hatte? Oder sollte ich ihm helfen, loszulassen, bevor er es selbst als Entscheidung erleben konnte? Ich spürte, wie ich zwischen den Stühlen saß. Wenn ich ihre Ablösung bestärkte, verriet ich ihn. Wenn ich versuchte, die Beziehung zu retten, verriet ich sie. Und wenn ich nichts tat, verriet ich beide.

In der Supervision gestand ich diese Zerrissenheit. Mein Supervisor schwieg lange, dann sagte er: „Vielleicht ist es nicht Ihre Aufgabe, zu entscheiden, was hier richtig ist. Vielleicht ist Ihre Aufgabe, den Raum zu halten, in dem beide ihre eigenen Entscheidungen treffen können – auch wenn diese Entscheidungen unterschiedlich ausfallen.“ Das half mir, die Last von meinen Schultern zu nehmen. Ich musste nicht retten. Ich musste nicht lösen. Ich musste aushalten.

Als sie schließlich sagte, dass ihr alles zu viel sei, dass sie die ständigen Streitereien nicht mehr wolle und dass sie sich bereits nach einer eigenen Wohnung umgesehen habe, spürte ich im Nachhinein, wie sehr mich diese Klarheit zugleich erleichterte und verunsicherte. Er reagierte mit Schockstarre. Seine Sprache reduzierte sich auf „Warum“. Dann die Frage nach einem anderen Mann. Als sie verneinte, forderte er einen Grund. Einen einzigen. Nach all den gemeinsamen Jahren sei das unlogisch.

Was es mit mir tat

In der Supervision konnte ich erst verstehen, wie sehr mich dieser Wunsch nach Logik selbst unter Druck gesetzt hatte. Psychodynamisch diente sein Fragen der Affektabwehr. Logik sollte den Verlust beherrschbar machen. Ihre Weigerung, einen „Grund“ zu liefern, war kein Mangel an Reflexion, sondern ein Akt der Selbstermächtigung.

Doch in der Sitzung selbst fühlte ich mich hilflos. Ich sah seinen Schmerz, seine Fassungslosigkeit, und einen Teil von mir wollte ihr sagen: „Gib ihm eine Erklärung. Hilf ihm zu verstehen.“ Gleichzeitig wusste ich, dass jede Erklärung zur neuen Verhandlungsmasse werden würde. Er würde argumentieren, widersprechen, besser machen wollen. Er würde ihre Gründe entkräften und damit ihre Entscheidung delegitimieren. Ich spürte, dass sie das auch wusste. Ihr Schweigen war keine Verweigerung, sondern Selbstschutz.

Mein Supervisor half mir zu sehen, dass es nicht meine Aufgabe war, diesen Grund zu liefern oder zu erzwingen – sondern den Raum zu halten, in dem Akzeptanz möglich werden konnte. Das war schwerer, als ich gedacht hatte. Ich musste lernen, in der Sitzung präsent zu bleiben, ohne zu retten. Ich musste aushalten, dass er litt, ohne ihm die Antwort zu geben, die er suchte. Ich musste sie schützen, ohne ihn zu verurteilen. Diese Balance war das Schwierigste an diesem Fall.

In den folgenden Sitzungen arbeitete ich gezielt daran, für beide unterschiedliche Prozesse zu ermöglichen. Mit ihr sprach ich über Schuld und darüber, dass Trennung keine Schuldfrage sein muss. Ich versuchte, ihr zu vermitteln, dass sie niemandem etwas schuldig war, auch keine Erklärung. Mit ihm versuchte ich, Raum für Trauer zu schaffen, für das Unbegreifliche, das sich nicht in Logik fassen lässt. Ich fragte ihn nicht nach Gründen, sondern nach Gefühlen. „Was spüren Sie jetzt gerade?“ wurde zu einer wiederkehrenden Frage. Anfangs antwortete er mit Fakten, mit Wiederholungen, mit Anschuldigungen. Doch langsam, sehr langsam, kamen andere Worte: Leere. Angst. Verlassenheit.

Später erzählten sie von der Decke auf dem Rücksitz, von der Nähe in der Kälte. Er sagte, es sei nicht wie früher. Sie antwortete, früher sei vorbei. Sie sprach von Routinen und Zwängen, die ihn explodieren ließen und ihr Angst machten. Sie wolle keine Angst mehr haben, vor nichts und vor niemandem. Es müsse ein Ende geben, damit etwas Neues beginnen könne. Vielleicht sei das auch eine Art Geburtstag.

Was es mit mir tat

Diese Szene verfolgte mich lange. In der Supervision sagte ich, dass ich mich schuldig fühlte, diese Trennung nicht verhindert zu haben. Mein Supervisor antwortete ruhig, dass dies kein Versagen sei, sondern möglicherweise der erste wirklich gesunde Schritt dieser Frau. Bindung war vorhanden, aber nicht mehr sicher. Schematherapeutisch war dies der Übergang in den gesunden Erwachsenenmodus. Psychodynamisch ein Akt psychischer Selbstrettung.

Doch diese intellektuelle Einsicht kam erst später. In den Wochen danach zweifelte ich immer wieder. Hätte ich anders intervenieren sollen? Hätte ich früher seine Dominanz konfrontieren müssen? Hätte ich stärker an ihrer Anpassung arbeiten sollen, damit sie sich früher hätte wehren können? Oder hätte gerade das alles nur noch schlimmer gemacht? Diese Fragen ließen mich nicht los.

Was mir schließlich half, war die Erkenntnis, dass ich die Trennung nicht als mein Versagen sehen durfte, sondern als ihren Erfolg. Sie hatte etwas geschafft, was viele Menschen in ähnlichen Beziehungen nicht schaffen: Sie hatte sich selbst ernst genommen. Sie hatte ihre Angst nicht länger als normal akzeptiert. Sie hatte aufgehört, sich anzupassen, und angefangen, sich zu schützen. Und vielleicht war genau das der therapeutische Erfolg dieses Falls – nicht dass die Beziehung gerettet wurde, sondern dass sie die Kraft fand, sich selbst zu retten.

Erst hier konnte ich innerlich loslassen von der Idee, ich hätte etwas „retten“ müssen. Paartherapie, so verstand ich, bedeutet nicht immer, Beziehungen zusammenzuhalten. Manchmal bedeutet sie, Menschen zu begleiten, während sie erkennen, dass sie auseinandergehen müssen. Und manchmal bedeutet sie, als Therapeut auszuhalten, dass man nicht alles kontrollieren kann – nicht einmal den Ausgang der eigenen Arbeit.

Zum Mitnehmen

Dieser Fall hat mich gelehrt, wie Dominanz und Kontrolle als Abwehr von Scham und Ohnmacht dienen, wie Angst und Anpassung schleichend Autonomie zerstören und wie Konflikte Beziehungen stabilisieren können – bis sie erschöpfen. Der Stillstand im Schlamm war kein Zufall, sondern ein Bild für Entwicklung ohne Fortschritt. Die Trennung war kein Verrat, sondern ein notwendiger Akt psychischer Selbstrettung. Und für mich als Therapeut blieb die Erkenntnis, dass Klarheit manchmal erst dort entsteht, wo man die eigene Unsicherheit ernst nimmt. Therapeutische Neutralität bedeutet nicht Gleichgültigkeit, sondern die Fähigkeit, mit den eigenen inneren Bewegungen zu arbeiten, ohne sie zu verleugnen. Manchmal ist der größte therapeutische Erfolg nicht das Zusammenhalten, sondern das Loslassen – und das gilt für Paare ebenso wie für Therapeuten.

  • Inspiration: Dokumentation von S. und St.
  • Bildmaterial: KI-generiert. ChatGPT.
  • Dieser Artikel  wurde unter Verwendung mehrerer redaktioneller KI-Werkzeuge erstellt.

Über den Autor:

Der Autor ist geprüfter psychologischer Berater (vfp), Heilpraktiker für Psychotherapie, hat ein postgraduiertes Studium in Psychologie zum Ph.D. (philosophy doctor) absolviert und erfolgreich an der Fortbildung zur Qualifikation ‚Psychosomatische Grundversorgung‘ der Landesärztekammer Hessen teilgenommen.

Er schreibt u.a. über die Übergänge zwischen Nähe und Autonomie, Bindung und Freiheit. Seine Texte verbinden psychologische Tiefe mit dem Blick auf den Menschen, der beides ist: verletzlich und fähig zur Wandlung.