Wir leben in einer Zeit der großen Selbsttäuschung. Während wir uns in Deutschland und Europa in wohlklingenden Phrasen von Inklusion, Chancengleichheit und Work-Life-Balance wiegen, überholen uns andere Nationen mit einer Geschwindigkeit, die wir selbstgefällig längst nicht mehr wahrnehmen wollen. Mittelmäßigkeit wird als Tugend verkauft, Anstrengung als Zumutung gebrandmarkt und Exzellenz als elitärer Anachronismus diskreditiert.

Diese kollektive Realitätsverweigerung wird uns teuer zu stehen kommen.
Dieser Appell richtet sich an alle, die nicht bereit sind, den Abstieg als unvermeidlich zu akzeptieren. An Eltern, die ihre Kinder nicht belügen wollen. An Lehrkräfte, die noch wissen, was Bildung bedeutet. An Politiker, die den Mut haben, das Populäre dem Notwendigen unterzuordnen. An alle, die spüren, dass etwas fundamental falsch läuft in unserer Gesellschaft, die ihre Besten beschämt und ihre Talentiertesten versteckt.
Hört auf, unsere Kinder anzulügen!
Die größte Lüge unserer Zeit ist die Behauptung, alle Menschen seien gleich begabt und könnten alles erreichen. Diese Lüge tötet Potenzial, verhindert Selbsterkenntnis und produziert eine Generation frustrierter junger Menschen, deren Erwartungen an sich selbst in keinem Verhältnis zu ihren tatsächlichen Fähigkeiten stehen. Wir rauben unseren Kindern die Chance, herauszufinden, wer sie wirklich sind und wozu sie wirklich fähig sind.
Der Wettbewerb ist kein sozialdarwinistisches Relikt, das es zu überwinden gilt, sondern der einzige Mechanismus, durch den Menschen Selbsterkenntnis erlangen. Nur im Vergleich mit anderen erkennen wir unsere Stärken und Schwächen. Nur durch die Erfahrung des Scheiterns entdecken wir alternative Wege. Wer nie dritter, vierter oder letzter wird, findet nie heraus, in welchem Bereich er erster sein könnte. Eine Gesellschaft, die Niederlagen vermeidet, verhindert nicht Trauma, sondern Entwicklung. Sie produziert verlorene Seelen mit unrealistischen Selbstbildern, die früher oder später an einer Realität zerbrechen, für die sie nie vorbereitet wurden.
Junge Menschen haben ein Recht auf Wahrheit. Sie haben ein Recht darauf zu erfahren, dass sie nicht gut genug sind in Mathematik, um Physikerin zu werden, aber brilliant im Umgang mit Menschen. Dass sie nicht talentiert genug sind für die Geige, aber außergewöhnlich begabt im strategischen Denken. Dass sie nicht die Ausdauer haben für ein Medizinstudium, aber die Kreativität für Design. Diese Wahrheiten sind keine Verletzungen, sondern Befreiungen. Sie sind Kompasse, keine Katastrophen. Wer sie verschweigt, nimmt jungen Menschen die Chance, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten.
Beendet die Diskreditierung von Leistung!
In Deutschland ist überdurchschnittliche Leistung ist zum Makel geworden. Wer sich anstrengt, gilt als Streber. Wer Ehrgeiz zeigt, steht unter Verdacht mangelnder Empathie. Wer Erfolg hat, muss sich rechtfertigen. Diese systematische Dämonisierung von Exzellenz ist bildungspolitisch fatal und gesellschaftspsychologisch destruktiv. Menschen, die selbst keine herausragenden Leistungen erbringen wollen oder können, entwickeln eine moralisierte Feindschaft gegenüber jenen, die dies tun.
Das Resultat ist eine Kultur der Mittelmäßigkeit. Talentierte junge Menschen verstecken ihre Fähigkeiten, um nicht aufzufallen. Hochbegabte stellen sich dumm, um nicht gemobbt zu werden. Ehrgeiz wird als Charakterschwäche, Disziplin als Zwangsstörung pathologisiert. Diese Kultur produziert kollektives Versagen. Sie schafft universelle Frustration. Und sie zerstört genau das, was unsere Gesellschaft braucht: herausragende Individuen, die bereit sind, über sich hinauszuwachsen.
Während wir in Deutschland und Europa diskutieren, ob Noten nicht zu sehr das Selbstwertgefühl beeinträchtigen, investieren China, Indien, Südkorea und Singapur massiv in talentierte Kinder. Dort ist Ehrgeiz keine Charakterschwäche, sondern eine Tugend. Dort wird intensiv gefördert und Exzellenz systematisch belohnt. Die Ergebnisse dieser unterschiedlichen Haltungen sind in technologischen Innovationen und in wirtschaftlichem Wachstum messbar. Wir verlieren diesen Wettbewerb, weil wir systematisch verhindern, dass Begabung sich entfaltet.
Erkennt die Realität an, bevor sie euch überholt!
Unsere Gesellschaft kann nicht auf einem einmal erreichten Wohlstand verharren. Wir befinden uns im permanenten Wettbewerb um Ressourcen, Talente, Innovationen und Einfluss. Dieser Wettbewerb findet statt, ob wir ihn wahrhaben wollen oder nicht. Gesellschaften, die in diesem Wettbewerb bestehen wollen, benötigen herausragende Wissenschaftler, brillante Ingenieure, kreative Künstler und visionäre Unternehmer. Fortschritt entsteht nicht aus dem Mittelmaß. Innovation entspringt nicht der Mitte. Wohlstand ist nicht das Resultat kollektiver Behaglichkeit, sondern individueller Spitzenleistung.
Deutschland kann seinen Lebensstandard, ohne weiterhin Spitzenleistungen in Wissenschaft, Technologie und Wirtschaft zu erbringen, nicht halten. Wohlstand ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis kontinuierlicher Anstrengung. Gesellschaften, die ihre Leistungsfähigen beschämen und ihre Exzellenten verstecken, provozieren ihren Untergang. Die Folgen sind nicht sofort sichtbar, aber sie sind unvermeidlich: technologische Abhängigkeit von anderen Nationen, wirtschaftlicher Abstieg, kulturelle Bedeutungslosigkeit.
Deutschland befindet sich in einer historisch beispiellosen Phase der Selbsttäuschung. Wir glauben tatsächlich, wir könnten uns einen entspannten Learn-Life-Balance Bildungsansatz leisten, während der Rest der Welt härter und länger arbeitet, mehr investiert und konsequenter fördert. Diese Arroganz wird bitter bestraft werden. Die Frage ist schon lange nicht mehr, wann wir überholt werden. Es geschieht bereits. Und zwar an jedem Tag, an dem wir diskutieren, ob Leistung überhaupt noch ein Wert sein sollte.
Stellt die Verantwortung wieder her, wo sie hingehört!
Die verhängnisvollste Umdeutung der letzten Jahrzehnte ist die Transformation von Bildung als eine Dienstleistung des Staates. Bildung ist eine absolute Bringschuld des Lernenden. Bildung ist kein Produkt, das man konsumiert. Lernen ist keine Wellness-Behandlung, die man über sich ergehen lässt. Können ist nicht das Resultat von Anstrengung, Disziplin, Wiederholung und Frustration. Wer dies verschweigt, belügt junge Menschen über die fundamentalsten Mechanismen menschlicher Entwicklung.
Das Recht auf Bildung impliziert das Recht auf Möglichkeiten, auf Zugang, auf Unterstützung, aber nicht das Recht auf garantierte Ergebnisse. Aber es impliziert zugleich die Pflicht zur eigenen Anstrengung. Diese Pflicht kann nicht delegiert werden. Wer die Pflicht und die Verantwortung für den eigenen Bildungserfolg abgibt, gibt seine Freiheit auf. Denn Freiheit ist nicht die Abwesenheit von Anforderungen, sondern die Fähigkeit, durch eigene Kompetenz selbstbestimmt zu handeln.
Die gegenwärtige Bildungspolitik suggeriert jungen Menschen, sie seien nicht verantwortlich für ihren eigenen Weg. Sie schützt sie vor Niederlagen und nimmt ihnen damit die Chance, echte Siege zu erringen. Sie redet ihnen ein, dass Können ohne Anstrengung erworben werden kann und dass jeder Mensch zu allem fähig sei. Diese Lügen produzieren keine mündigen Bürger, sondern abhängige Konsumenten, die ihr Leben als passives Schicksal erleben statt als aktive Gestaltungsaufgabe.
Führt den Konflikt, den ihr zu lange vermieden habt!
Diese Auseinandersetzung ist seit Jahren überfällig ist. Die Konfrontation mit jenen Kräften, die Gleichmacherei als soziale Gerechtigkeit verkaufen, Niveausenkung als Inklusion tarnen und systematische Leistungsverweigerung als pädagogische Innovation feiern. Dieser Konflikt wurde zu lange vermieden. Aber Konfliktvermeidung ist keine Lösung, sondern Kapitulation. Die Zukunft unserer Gesellschaft wird nicht in harmonischen Stuhlkreisen und empathischen Konsensworkshops entschieden, sondern in harten Auseinandersetzungen über fundamentale Werte.
Der Zweck von Bildung ist die Ermöglichung individueller Spitzenleistung. Der Zweck von Bildung ist die Vorbereitung auf eine Realität, die keine Rücksicht nimmt. Der Zweck von Bildung ist die Schaffung gleicher Chancen bei Anerkennung unterschiedlicher Begabungen. Wir haben aufgehört, diese Tatsachen auszusprechen, weil sie unpopulär sind. Diese Feigheit muss enden.
Der Widerstand wird massiv sein. Die Vertreter der gegenwärtigen Bildungspolitik werden Kritiker als Elitaristen brandmarken, als Sozialdarwinisten diffamieren, als Feinde der Chancengleichheit denunzieren. Diese Angriffe müssen ausgehalten werden. Denn es geht nicht um Elitismus, sondern um Realismus. Es geht nicht um die Privilegierung weniger, sondern um die Ermöglichung für alle, durch eigene Leistung herauszufinden, wozu sie fähig sind. Es geht nicht um Härte, sondern um Ehrlichkeit. Und es geht nicht um Vergangenheit, sondern um Zukunft. Es geht um unsere Zukunft als freie Individuen, als dynamische Gesellschaft, als Teil eines starken und selbstbewussten Europas.
Die fünf Wahrheiten, die ausgesprochen werden müssen
Erste Wahrheit: Wettbewerb ist keine Pathologie, die es zu überwinden gilt, sondern der einzige Mechanismus, durch den Menschen Selbsterkenntnis erlangen. Wer Wettbewerb stärkt, verhindert Leid und stärkt den Fortschritt. Er gibt Menschen die Möglichkeit herauszufinden, wer sie sind, was sie können und wohin sie gehören. Niederlagen sind Lernerfahrungen und werden zu Kompasse, die den Weg weisen.
Zweite Wahrheit: Exzellenz ist eine gesellschaftliche Überlebensfrage und keine elitäre Laune. Gesellschaften, die ihre Talentiertesten verstecken, statt zu fördern, ihre Leistungsfähigsten beschämen, statt zu feiern, ihre Exzellenten nivellieren, statt zu belohnen, zerstören die einzige Ressource, die im globalen Wettbewerb zählt: herausragende individuelle Leistung. Während wir über Work-Life-Balance philosophieren, arbeiten andere Nationen härter, investieren mehr und fördern konsequenter. Sie werden nicht auf uns warten. Sie werden uns überholen. Die Erklärung ist einfach: Weil wir Mittelmäßigkeit zur Tugend erklärten.
Dritte Wahrheit: Die systematische Diskreditierung von Leistung in Deutschland ist kein Zeichen fortschrittlicher Humanität, sondern Ausdruck eines kollektiven Ressentiments. Überdurchschnittlichkeit ist kein Makel, sondern eine Auszeichnung. Ehrgeiz ist keine Charakterschwäche, sondern eine Tugend. Disziplin ist keine Zwangsstörung, sondern eine Voraussetzung für Freiheit. Wer Leistung pathologisiert, schafft nicht Gerechtigkeit, sondern kollektive Mittelmäßigkeit. Und wer talentierte junge Menschen zwingt, ihre Fähigkeiten zu verstecken, produziert frustrierte Individuen, die spüren, dass sie mehr sein könnten, aber nicht dürfen.
Vierte Wahrheit: Bildung ist keine kostenlose Dienstleistung, die der Staat liefert und Schüler konsumieren, sondern eine Bringschuld des Lernenden. Das Recht auf Bildung impliziert die Pflicht zur Anstrengung. Lernen ist Arbeit, nicht Wellness. Können ist das Ergebnis von Training, nicht von Wohlbefinden. Die Verantwortung für den eigenen Bildungserfolg liegt ausschließlich beim Lernenden selbst. Diese Verantwortung kann nicht delegiert werden. Wer ausschließlich nach Schutz vor Niederlagen verlangt, wer garantierte Ergebnisse erwartet, verliert sein Recht auf Selbstbestimmung. Bildungsinstitutionen haben die Aufgabe, Möglichkeiten bereitzustellen, nicht Ergebnisse zu garantieren.
Fünfte Wahrheit: Freiheit ohne Kompetenzgibt es nicht. Autonomie setzt Können voraus. Wer nicht denken kann, ist nicht frei. Wer nicht lesen kann, ist nicht frei. Wer nicht handeln kann, ist nicht frei. Exzellenz ist in diesem Sinne keine elitäre Kategorie, sondern die fundamentale Voraussetzung für Selbstbestimmung. Sie ist die Fähigkeit, über sich hinauszuwachsen, eigene Grenzen zu überwinden, neue Möglichkeitsräume zu eröffnen. Der gegenwärtige Trend, Menschen vor den Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu schützen, ist keine Humanität, sondern Entmündigung. Er behandelt erwachsene Menschen wie unmündige Kinder und verhindert, dass junge Menschen überhaupt erwachsen werden.
Die Wahl liegt bei uns. Entweder wir haben den Mut, diese Wahrheiten auszusprechen und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Oder wir setzen den Kurs der kollektiven Selbsttäuschung fort und akzeptieren den Abstieg als unvermeidlich. Entweder wir kehren zurück zu einer Kultur der Exzellenz, der Anstrengung, der Selbstverantwortung. Oder wir produzieren eine Generation, die nichts kann, nichts will und nichts wird. Die Zeit der Bequemlichkeit ist vorbei. Die Zeit des Handelns ist jetzt. Wer jetzt schweigt, macht sich mitschuldig an einer Entwicklung, deren Folgen wir selbst, unsere Kinder und Enkelkinder tragen werden. Die Geschichte wird nicht fragen, ob wir es bequem hatten. Sie wird fragen, ob wir den Mut hatten, die Wahrheit auszusprechen, als es noch nicht zu spät war.
Über den Autor:
Der Autor ist geprüfter psychologischer Berater (vfp), Heilpraktiker für Psychotherapie, hat ein postgraduiertes Studium in Psychologie zum Ph.D. (philosophy doctor) absolviert und erfolgreich an der Fortbildung zur Qualifikation ‚Psychosomatische Grundversorgung‘ der Landesärztekammer Hessen teilgenommen.
Er schreibt u.a. über die Übergänge zwischen Nähe und Autonomie, Bindung und Freiheit. Seine Texte verbinden psychologische Tiefe mit dem Blick auf den Menschen, der beides ist: verletzlich und fähig zur Wandlung.